Mechel steht offenbar vor der Pleite

20. September 2014, 16:32
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Schuldenberg von umgerechnet fast sieben Milliarden Euro

Sotschi - Die russische Regierung hat offenbar Pläne für eine Rettung des Stahlkonzerns Mechel aufgegeben und will den überschuldeten Konzern pleitegehen lassen. Eine Insolvenz sei wohl kaum noch abzuwenden, sagte Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew am Samstag am Rande einer Konferenz in Sotschi.

"Es ist sehr schwierig, eine andere vernünftige Lösung vorzuschlagen. Wir sollten uns wahrscheinlich den Tatsachen stellen - wenn eine Firma bankrott ist, sollte dies auch offiziell festgestellt werden."

Mechel ächzt unter einem Schuldenberg von umgerechnet fast sieben Milliarden Euro. Die Regierung in Moskau hatte sich monatelang bemüht, dem Konzern mit 70.000 Mitarbeitern zur Hilfe zu kommen. So hatte sie erwogen, dem Konzern eine Eisenbahnstrecke abzukaufen. Uljukajew erklärte nun jedoch, für dieses Vorhaben fehle das Geld.

Umstrukturierung der Schulden

Mechel selbst zieht in Betracht, die wichtigsten Bestandteile des Konzerns in den kommenden Jahren für rund zwei Milliarden Euro zu verkaufen. Zudem wünscht sich das Unternehmen von seinen wichtigsten Gläubigerbanken VTB, Sberbank und Gazprombank eine Umstrukturierung der Schulden. VTB-Chef Andrei Kostin hatte jedoch am Freitag gesagt, dass dies dem Unternehmen langfristig nicht wieder auf die Beine helfen würde. Deshalb müsse das Geldhaus rechtliche Schritte einleiten, um sein Geld zurückzubekommen.

Mechel ist auch in Österreich vertreten. Die ehemalige Voestalpine-Tochter Mechel Stahlservice Austria gehört seit 2009 zum russischen Konzern. Laut Firmenbuch gab es 2013 in Linz 189 Beschäftigte. Das Unternehmen erwirtschaftete 2012 ein EGT von minus 27 Mio. Euro bei einem Umsatz von 160 Mio. Euro. Der heimischen Stahlbranche war Mechel zuletzt ein Dorn im Auge. Der russische Eigentümer soll über Mechel Österreich Überbestände platziert haben, die hier oft unter dem Einstandspreis verkauft worden sein sollen, berichtete das "Wirtschaftsblatt" zuletzt und bezog sich auf einen Insider. Das drücke die Preise. Mechel kommentierte das damals nicht. (Reuters, red, DER STANDARD, 21.9.2014)

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