Börsen-Märchen Alibaba mit Schlusskurs rund 231 Mrd. US-Dollar wert

20. September 2014, 09:55
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Größte Erstemission aller Zeiten - Aktie schließt in New York bei 93,89 Dollar - plus 38 Prozent

Alibaba hat die Wall Street mit dem weltgrößten Börsengang aller Zeiten in Euphorie versetzt. Mit dem Schlusskurs ist der chinesische Internet-Händler Alibaba am Freitag rund 231 Mrd. US-Dollar (179,46 Mrd. Euro) wert, mehr als alteingesessene US-Konzerne wie Walt Disney und Coca- Cola und noch einmal 62 Mrd. US-Dollar mehr als zum Ausgabepreis.

Furioses Debüt

Mit einem Kurssprung zum Start um 36 Prozent auf 92,70 US-Dollar (72,02 Euro) legte Alibaba am Freitag ein furioses Debüt hin. Wenig später kostete das begehrte Papier sogar 99,70 Dollar, bevor der Kurs zum Handelsschluss wieder auf rund 93,89 Dollar nachgab und mit einem Plus von 38,07 Prozent aus dem Handel ging.

Zu jedem Preis

Es dauerte angesichts einer Flut von Kaufaufträgen fast zweieinhalb Stunden, ehe die New Yorker Börse überhaupt einen ersten Kurs nennen konnte. Viele Anleger, die bei der Zuteilung leer ausgegangen waren, wollten die Titel offenbar zu fast jedem Preis in ihren Depots haben. "Das ist der größte Börsengang, den die Welt je gesehen hat, deshalb herrscht Feierstimmung auf dem Parkett - ob man will oder nicht", sagte Händler Benedict Willis von Sunrise Securities.

Kampf um Papiere

Dabei waren die Papiere schon zum Höchstpreis von 68 US-Dollar ausgegeben worden. Die Investoren rissen dem Unternehmen, das vor 15 Jahren von dem Englischlehrer Jack Ma gegründet worden war, die Aktien aus den Händen. Alibaba verkaufte Papiere für 25 Mrd. US-Dollar, zwei Drittel des Geldes gehen an die bisherigen Investoren wie den US-Internetkonzern Yahoo, der mit dem Verkauf von Alibaba-Aktien allein acht Mrd. Dollar kassierte. Den bisherigen Rekord hatte seit 2010 die chinesische AgBank mit 22,1 Mrd. US-Dollar gehalten, in New York wurde der Kreditkartenanbieter Visa als Rekordhalter abgelöst.

900 Mio. US-Dollar

Eine ganze Reihe von Managern und Software-Fachleuten bei Alibaba werden mit dem Schritt an die Börse zu Millionären. Allein Milliardär Ma kassiert fast 900 Mio. US-Dollar. "Ich will die Aktionäre nicht enttäuschen", sagte der Firmengründer bei CNBC. "Ich will sicherstellen, dass sie Geld verdienen." Größter Alibaba-Anteilseigner ist der japanische Konzern Softbank mit 32 Prozent, der sich aber von keiner Aktie getrennt hat.

Von Facebook gelernt

Experten hatten im Vorfeld nur mit einem Kurssprung von zehn bis 15 Prozent gerechnet. Die New Yorker Börse Nyse hatte sich für den Ansturm gewappnet: Sie ließ ihre Systeme gleich in zwei Probeläufen auf Herz und Nieren testen, um keine Pleite zu erleben wie die US-Technologiebörse Nasdaq vor zwei Jahren bei der Erstnotiz von Facebook. Damals war der Handel unter der Flut von Aufträgen schier zusammengebrochen. Die Kurse waren um Stunden verspätet, viele Anleger verloren Geld. Daher hatte sich Alibaba für die Nyse als Börsenplatz entschieden. In den USA erhofft sich das Unternehmen Zugang zu einer deutlich größeren Zahl von Investoren.

Enttäuschung

Nach Angaben des führenden US-Aktienhändlers TD Ameritrade erreichte das Ordervolumen für Alibaba am Freitag noch vor dem ersten Kurs gut zwei Drittel der Kaufaufträge am ersten Handelstag von Facebook - und das Dreifache des Volumens bei Twitter. Viele Investoren waren bei der Zuteilung von Alibaba-Aktien leer ausgegangen oder enttäuscht worden. Ein Anleger berichtete, er habe 200.000 Papiere für 13,6 Mio. US-Dollar bestellt, aber nur 1.000 erhalten. 35 bis 40 Investoren, unter ihnen der Fondsriese Blackrock, hatten jeweils für mehr als eine Milliarde Dollar Alibaba-Papiere geordert, wie es in Finanzkreisen hieß.

Merkel schaut zu

Sogar die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel schaute gespannt an die Wall Street: "Wenn heute der Börsengang von Alibaba stattfindet, dann zeigt dies doch, dass die Welt nicht schläft, dass chinesische große Unternehmen längst Global Player sind", sagte sie am Freitag beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Die Rivalen Amazon und eBay haben die Chinesen an Börsenwert bereits überholt. E-Commerce-Experten sehen Alibaba auf einer Stufe mit Facebook und Google. Ma hatte die Anleger bei seiner Werbetour überzeugt: "Das war einer der beeindruckenderen Präsentationen", sagte Jerry Jordan, der den 48 Mrd. US-Dollar schweren Jordan Opportunity Fund verwaltet. "Mir war gar nicht klar, wie erfolgreich sie sind."

In Ein-Zimmer-Wohnung gestartet

15 Jahre nach der Gründung in Mas Ein-Zimmer-Wohnung wickelt Alibaba mehr Geschäfte ab als Amazon und Ebay zusammen. Rund 80 Prozent der Online-Umsätze in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, gehen auf das Konto von Alibaba. Von April bis Juni schossen die Umsätze um 46 Prozent nach oben, und anders als viele Internetfirmen schreibt das Unternehmen Gewinn: 1,99 Mrd. US-Dollar waren es in diesen drei Monaten.

Zalando

Deutsche Internet-Firmen sind von solchen Größenordnungen noch weit entfernt. Die E-Commerce-Börsenkandidaten Zalando und Rocket Internet werden jeweils mit rund fünf Milliarden Euro bewertet. Der Online-Modehändler Zalando wurde am Freitag aber auch von der Börsen-Euphorie erfasst: Seine Aktien, die seit Donnerstag für 18 bi 22,50 Euro gezeichnet werden können, werden im Graumarkt für bis zu 26,75 Euro gehandelt.

Niemand kennt Alibaba

Für viele klingt der Name Alibaba außerhalb Chinas aber noch exotisch: Nach einer Ipsos-Umfrage im Auftrag von Reuters haben 88 Prozent der Amerikaner von Alibaba noch nie gehört. Am Rande wurden kritische Stimmen laut: "In der Geschichte hat es selten einen Börsengang dieser Größe gegeben, bei dem man weniger über das Unternehmen wusste", sagte der demokratische US-Senator Bob Casey aus Pennsylvania. "Ich mache mir immer noch Sorgen um die Transparenz chinesischer Firmen, die an unseren Börsen notiert sind." An der Frankfurter Börse haben Skandale bei kleinen chinesischen Firmen für Unruhe gesorgt. (APA, 20.09.2014)

  • Alibaba sorgte für Furore und viel Geld.
    foto: reuters/mcdermid

    Alibaba sorgte für Furore und viel Geld.

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