Fettes psychedelisches Kraut

19. September 2014, 19:16
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Die US-Combo Cave spielt im Kino Ebensee

Bands, die sich am deutschen Krautrock der späten 1960er- und 1970er-Jahre abarbeiten, schießen zuletzt ins Kraut. Kein neues Phänomen, genau wie die US-Combo Cave, die sich 2006 im Bundesstaat Ohio formierte, und inzwischen an den Michigansee umgezogen ist. Dort, in Chicago, gibt es mit Drag City eines der feinsten Plattenlabels für experimentellen Postpunk und Indierock. Die Gitarristen Jeremy Freeze und Cooper Crain (der auch an den Keyboards sitzt) sowie Schlagzeuger Rex McMurry und Bassist Dan Browning lieben vor allem den motorischen Rhythmus und repetitiven Groove von Can und Neu!.

Am Samstag spielt das Quartett sein einziges Österreich-Konzert in Ebensee. Mit beschaulichem, meditativem Ambient-Sound hat Cave nichts am Hut. Stattdessen pflegt die Viererbande mit rüden Gitarrenattacken Erinnerungen an Proto- und Garagenpunk, auch sonst scheuen sie keine Ecken und Kanten. 2013 erschien das vierte Album "Threace". Beim zwölfminütigen Opener "Sweaty Fingers" wähnt man am Anfang eine Coverversion des Rocky-Hits "Eye Of The Tiger" von Survivor zu hören. Auf "Silver Headband" sorgt Bassist Browning für repetitive Loop-Melodien, ehe fetter Boogierock Bewegung ins Spiel bringt. Demnächst erscheint eine neue Vinyl-LP von Cave, auf der auch der Stilsurfer zwischen Glam, Prog, pompösem Westcoastpop und weißem Plastik-Soul/Disco Bobby Conn mitwirkt. Vor dem heutigen Konzert läuft der Film "We played at Squats" des Frankenmarkters Klaus Winkler: ein Porträt der Punk/Hardcore-Combos No Means No und The Hanson Brothers. (dog, DER STANDARD, 20.9.2014)

20. 9., Kino Ebensee, 20.30

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