Mann oder Frau, das ist hier die Frage

19. September 2014, 19:09
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Im Rahmen der Schiene Kosmodrom zeigt das Bregenzer Theater Kosmos die Uraufführung von Thomas A. Weltes "Moustache"

Bregenz - Die Programmschiene Kosmodrom des Theaters Kosmos in Bregenz bietet jungen Theaterschaffenden die Möglichkeit, ihre Arbeit vor Publikum zu präsentieren. Für die Umsetzung stehen ihnen jedoch nur wenige Tage zur Verfügung. In diesem Rahmen wurde Donnerstag das Stück "Moustache" von Thomas A. Welte uraufgeführt.

Der junge Vorarlberger ist kein Unbekannter mehr. Im verganenen Jahr feierte sein Kriegsdrama "Das Verhör" erfolgreiche Uraufführung. Nun wagt er sich an ein ganz anderes Genre heran und führt auch selbst Regie. Moustache ist eine Boulevardkomödie à la Billy Wilder, mit schnellem Schlagabtausch, pointierten Dialogen, die jedoch thematisch und in ihrer teils derben Sprache in der heutigen Zeit angekommen ist. Verständlich, dass im Stück auch Superman in die Jahre gekommen ist und heute mehr mit seiner Prostata zu kämpfen hat als mit Bösewichten.

Schauplatz der Geschichte ist die Bar Moustache. Hier scheinen die Lebensgeschichten immer die gleichen zu bleiben. Dies ändert sich mit der homosexuellen Schauspielerin Flo (Michaela Spänle). Sie spielt in Shakespeares "Was ihr wollt" die Viola und muss sich dafür als Mann verkleiden. Noch im Kostüm kommt sie in die Bar, wo sie Jojo (Rebecca Selle) trifft. Sie verlieben sich, doch beide gehen von unterschiedlichen Tatsachen aus. Obwohl sie sich noch in derselben Nacht näherkommen, glaubt die heterosexuelle Jojo weiterhin, sich in einen Mann verliebt zu haben.

Dass jemand als Mann überzeugt, nur weil er sich einen Schnauzer ins Gesicht geklebt hat, ist an sich wenig glaubwürdig. Dass es hier trotzdem funktioniert, hat auch mit dem Auftreten von Flo zu tun: Sie erinnert in ihrer Aufmachung an die Figur des Tramp von Charlie Chaplin (Ausstattung Mandy Hanke). Überzeugend sind alle vier Schauspielerinnen, die trotz der kurzen Probenzeit von nur zehn Tagen das Timing für einen Schlagabtausch perfekt beherrschen.

Das Stück hat alles, was eine gute Komödie braucht: eine absurde Situation, witzige Dialoge und eine einfallsreiche Schlussszene. Viel Applaus. (Nicole Wehinger, DER STANDARD, 20.9.2014)

Theater Kosmos, 20. 9., 20.00 Uhr

  • Zwischen den Geschlechtern: Diana Kashlan, Anja Pölzl, Rebecca Selle, Michaela Spänle (von links).
    foto: theater kosmos, constanze wagner

    Zwischen den Geschlechtern: Diana Kashlan, Anja Pölzl, Rebecca Selle, Michaela Spänle (von links).

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