Generaldirektoren gesucht

19. September 2014, 18:52
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Doppelgeschäftsführungen für alle Bundesmuseen

Wien - In einem Jahr, am 30. September 2015, läuft der Vertrag von Karola Kraus als Mumok-Direktorin aus. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hält sich - im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Claudia Schmied - strikt an das Stellenbesetzungsgesetz: Er schreibt die Leitung des Postens aus. Karola Kraus kann sich erneut bewerben. Zeitgleich und ebenfalls für fünf Jahre ab dem 1. Oktober 2015 wird auch die wirtschaftliche Geschäftsführung ausgeschrieben. Die künftige wissenschaftliche Leitung, die gegenüber der kaufmännischen ein Dirimierungsrecht hat, trägt den Titel "Generaldirektorin" beziehungsweise "Generaldirektor".

Gegenüber dem Standard erklärt Ostermayer, dass es in Hinkunft bei allen Bundesmuseen Doppelgeschäftsführungen geben werde. Nach dem Mumok (Museum moderner Kunst) wird eine solche auch für das Mak (Museum für angewandte Kunst) gesucht: Der Vertrag von Christoph Thun-Hohenstein endet am 31. August 2016. Bei den Bundestheatern gibt es seit der Ausgliederung 1999 für die Bühnengesellschaften (Staats- und Volksoper sowie Burgtheater) Doppelgeschäftsführungen.

Rund um die gleiche Zeit wurden auch die Bundesmuseen selbstständig. Wilfried Seipel, mächtiger Chef des Kunsthistorischen Museums von 1990 bis 2008, sprach sich aber gegen einen Co-Geschäftsführer aus - und das hatte Auswirkung auf alle Bundesmuseen. Erst auf Druck der Sozialdemokraten ließ die damalige Kulturministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) den Gesetzestext ein klein wenig abändern: Die schließlich beschlossene Version erlaubt zumindest die Bestellung eines zweiten Geschäftsführers.

Das Kulturministerium blieb aber der Maxime treu, dass zwei Direktoren weit mehr Geld kosten würden. Noch Ende Februar 2005 hieß es: "Bei einem Geschäftsführer ist die Verantwortung vollkommen klar. Zudem gibt es weniger Reibungsverluste." Doch dann, im Mai 2005, lag der desaströse Endbericht des Rechnungshofs über das KHM vor. Gehrer konnte nicht länger die schützende Hand über Seipel halten: Sie kündigte an, dass alle Direktoren von Bundesmuseen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Mio. Euro einen Co-Geschäftsführer erhalten.

Mit der Umsetzung ließ sich Gehrer lange Zeit: Erst im April 2007 trat Paul Frey seinen Job als kaufmännischer Geschäftsführer an. Entgegen der Ankündigung blieben Klaus Albrecht Schröder (Albertina), Gabriele Zuna-Kratky (Technisches Museum) und Agnes Husslein (Belvedere) bis heute alleinverantwortlich. Bewerbungen für die Mumok-Geschäftsführung sind bis spätestens 31. Oktober 2014 an das Bundeskanzleramt zu richten. Ostermayer beauftragte eine Kommission, ihm einen Vorschlag zu unterbreiten. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 20.9.2014)

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