Immer mehr Feste: Wirtschaftskammer zeigt Vereine an

19. September 2014, 17:44
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80 Anzeigen und 40 Abmahnungen seit 2012 in Niederösterreich - Wirte beklagen unfairen Wettbewerb

Sankt Pölten / Klagenfurt - Von der freiwilligen Feuerwehr über Jugendorganisationen bis hin zu Sportinitiativen: In Österreich gibt es rund 120.000 Vereine, viele davon sind für den sozialen Zusammenhalt vor allem in ländlichen Regionen von großer Bedeutung. Gemeinnützige Vereine dürfen, um neben den vielen unentgeltlichen Arbeitsstunden der Mitarbeiter den Vereinsbetrieb sicherzustellen, an drei Tagen im Jahr (Zelt-)Feste veranstalten. Vor allem die Zunahme von Festen anderer, nicht gemeinnütziger Vereine ist vielen Gastronomen aber ein Dorn im Auge.

Laut Wirtschaftskammer (WK) würden diese oft ohne Konzession und ohne Einhaltung von gesetzlichen Auflagen stattfinden. In Niederösterreich hat die Fachgruppe Gastronomie der Wirtschaftskammer in den vergangenen zwei Jahren 80 Veranstaltungen von Vereinen angezeigt, bestätigte deren Obmann Mario Pulker in den "Niederösterreichischen Nachrichten".

40 Vereine seien abgemahnt worden. Laut Kammer sollen in Niederösterreich mehr als 10.000 Feste pro Jahr mit einem Umsatz von rund 45 Millionen Euro stattfinden. Gastwirte beklagen unfairen Wettbewerb.

Spezialaktion der WK

Nicht nur in Niederösterreich werden Vereinsfeste genau beobachtet. Auch der Kärntner WK-Fachgruppenobmann Guntram Jilka sagte dem STANDARD, dass Gastronomen Veranstalter von Vereinsfesten angezeigt hätten. "Vonseiten der Wirtschaftskammer hat es in diesem Jahr 25 Abmahnungen gegeben." Jilka schätzt, dass die Anzahl von Vereinsfesten in Kärnten auf 15.000 pro Jahr angewachsen ist - "von der Sonnwendfeier über das Osterfeuer, Maibaumaufstellen und Krampuskränzchen bis hin zum Kirchtagsfest".

Seit eineinhalb Jahren gebe es eine "Spezialaktion" der Wirtschaftskammer, wo Vereine auch über ihre Auflagen und Abgabepflichten aufgeklärt werden. 2014 habe man bisher 150 Vereine kontaktiert. Unbelehrbare müssten mit Konsequenzen - und eben auch mit einem Besuch der Finanz - rechnen.

"Kein gemeinnütziger Zweck"

Zerstören wolle man die Vereine, die vielfach auch alte Traditionen bewahren, nicht. Fallweise werde aber laut Jilka Schindluder betrieben. "Wenn die Faschingsgruppe mit dem Gewinn aus ihrem Fest einen Ausflug zum Weintrinken nach Gamlitz macht, ist das schön, aber eben kein gemeinnütziger Zweck."

Das Finanzministerium grenzt in einem Erlass von Mai 2014 klar zwischen kleinem und großem Vereinsfest ab: Steuerliche Grundvoraussetzung für ein kleines Vereinsfest ist, dass es ausschließlich von Mitgliedern getragen wird. Ein von Dritten bereitgestelltes kleines Speisenangebot verletzt ein kleines Vereinsfest nicht. Wenn die Verpflegung ein Caterer oder Wirt übernimmt, ist es hingegen schädlich. (krud, DER STANDARD, 20./21.9.2014)

  • Die Zunahme von steuerlich begünstigten Vereinsfesten ist Gastwirten ein Dorn im Auge.
    foto: apa/hochmuth

    Die Zunahme von steuerlich begünstigten Vereinsfesten ist Gastwirten ein Dorn im Auge.

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