Korneuburg: Wohnbau hinter Landesgericht will höher hinaus

19. September 2014, 17:36
21 Postings

Das Landesgericht Korneuburg zog vor einem Jahr aus der Innenstadt weg, nun liegen Nachnutzungspläne vor

Korneuburg/Wien - Neben dem Korneuburger Rathaus steht eines der größten Gebäude der Innenstadt leer. Das Landesgericht ist samt Haftanstalt in einen Neubau weiter draußen gezogen.

Am Freitag präsentierten der Bürgermeister der 12.300-Einwohner-Stadt, Christian Gepp (VP), und Vertreter des neuen Eigentümers, Hypo Niederösterreich, Journalisten die Pläne für die Nachnutzung des denkmalgeschützten Gebäudes und der umliegenden Flächen.

Visualisierung im Internet

Zu spät, um groben Irritationen vorzubeugen: Anrainer hatten zuvor zufällig eine Visualisierung des Bauprojekts auf willhaben.at entdeckt, worauf ein Aufschrei folgte: Die in dem Modell dargestellten Blöcke sähen teilweise deutlich höhere Häuser vor, als dort bisher gestanden waren, warnten Anrainer. Stein des Anstoßes sind Flachdach-Wohnblöcke, die vom alten Gerichtsgebäude und den straßenseitigen Häuserzeilen umschlossen werden sollen.

Auch im Entwurf von Freitag ist zumindest ein 21 Meter hohes Gebäude geplant, wo bisher deutlich niedriger bebaut war. Gepp möchte einige Wochen nach Informationsveranstaltungen für Anrainer und Bürger, die Anfang Oktober stattfinden sollen, im Gemeinderat den Beschluss für eine entsprechende Umwidmung fällen. Der Ortschef warnte davor, das Projekt für "wahltaktisches Geplänkel" - am 25. Jänner sind Gemeinderatswahlen in Niederösterreich - zu missbrauchen.

Sorge um Rechtssicherheit

Anrainer Robert Enderle fürchtet, dass von der bisherigen Bebauungsklasse zwei auf viel höhere Bebauungsklassen - sieben und acht - umgewidmet wird. "Dann ist in Korneuburg alles möglich", beklagt er. "Das macht uns Angst und Bange."

Bürgermeister Gepp zufolge ist das nicht geplant. Zudem sei es bisher möglich gewesen, bis zu 30 Meter hoch zu bauen. Allerdings nicht in Flachdachbauweise: Die maximale Höhe bis zur Traufe betrug bisher acht Meter, wie der Korneuburger Baustadtrat Erik Mikura (VP) in Lokalmedien ausführte. Alles darüber musste schräg errichtet werden - was bisher in der Regel das Dach war.

Schlechte Luft

Sorgen rufen auch die mehrgeschoßigen Garagenpläne für 190 Stellplätze auf dem Areal hervor. Die Anrainer fürchten schlechte Luft. Man werde sich an sämtliche Auflagen halten, heißt es dazu von der Hypo. Gepp argumentiert die höhere Bebauung damit, dass die Gemeinde der Hypo da habe entgegenkommen müssen, da die Stadt die Errichtung der Garagenebenen wünscht - wegen des "Parkproblems auf dem Hauptplatz". Dort drängen sich Pkws um die Parkflächen.

Neben rund 65 Wohnungen sind auf dem Areal mehrere Büros und Einkaufsflächen geplant - auf insgesamt 10.000 Quadratmetern. Aufgrund der Größe des Projekts und angesichts weiterer Bauprojekte äußert Anrainer Enderle auch Zweifel daran, dass Korneuburg sich wirklich zu "maßvollem Zuzug bekennt". So steht es aber im Leitbild der Stadt, das mit Bürgerbeteiligung erstellt wurde. Gepp sieht das naturgemäß anders - und erinnert daran, dass im Leitbild auch die Verdichtung der Stadt als Ziel formuliert wurde. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 20.9.2014)

  • Im früheren Landesgericht Korneuburg sollen die Leute einkaufen gehen, arbeiten und wohnen.

    Im früheren Landesgericht Korneuburg sollen die Leute einkaufen gehen, arbeiten und wohnen.

  • Hinter dem alten Block, wo auch das Gefängnis stand, entstehen Wohnungen.

    Hinter dem alten Block, wo auch das Gefängnis stand, entstehen Wohnungen.

Share if you care.