"Höhere Grundsteuer auf unbebaute Grundstücke" 

20. September 2014, 21:47
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Die Grundstückspreise in Vorarlberg sind im Höhenflug. Bauen und Wohnen wird immer teurer. Der Bauunternehmer Hubert Rhomberg über mögliche Gegenstrategien

Die Grundstückspreise in Vorarlberg sind im Höhenflug. Bauen und Wohnen wird immer teurer. Der Bauunternehmer Hubert Rhomberg über mögliche Gegenstrategien.

STANDARD: Wie macht man Wohnen für Menschen mit Durchschnittseinkommen leistbar?

Rhomberg: Man muss bei den extrem hohen Grundstückspreisen ansetzen. Eine Möglichkeit wäre, bei Umwidmungen einen gewissen Prozentsatz für leistbares Wohnen zu widmen. Die Grundsteuer auf bebaute Grundstücke könnte man senken, auf unbebaute Grundstücke erhöhen.

STANDARD: Wer kauft denn die teuren Immobilien? Ausländische Investoren?

Rhomberg: Nein. Es sind Vorarlberger, die ihr Geld sicher haben wollen. Anleger, die aus Aktien rausgehen, Menschen, die vorsorgen wollen. Die Nachfrage ist übergroß, das treibt den Gesamtmarkt. Ein großes Problem ist auch, dass Privatpersonen große Grundstücksflächen horten.

STANDARD: Wie könnte man Bauland verfügbar machen?

Rhomberg: Vertragsraumplanung ist eine Möglichkeit. Die Bauverpflichtung sollte für umgewidmete Grundstücke gelten. Pro Kind müsste man aber eine Freifläche ausnehmen. Ein anderer Vorschlag: eine zweckgebundene Abgabe auf Widmungsgewinn. Wird ein landwirtschaftlicher Grund in Bauland umgewidmet, steigt ja der Wert in einer Sekunde quasi von null auf hundert. Die Abgabe müsste von den Gemeinden für Ortsraumgestaltung oder Rückwidmungen verwendet werden. Die Gemeinden hätten dadurch mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

STANDARD: Sind Neuwidmungen in einem zersiedelten Land noch sinnvoll?

Rhomberg: Man müsste sich viel stärker auf Verdichtung konzentrieren. Dort, wo Infrastruktur vorhanden ist, sollte verdichtet, in die Höhe gebaut werden. Eine schwierige Sache in einem Land, in dem man sofort schreit, wenn etwas höher ist als drei Stockwerke.

STANDARD: Machen mehr gemeinnützige Wohnungen das Wohnen leistbarer?

Rhomberg: Gemeinnützige Wohnungen sollten nur an jene vergeben werden, die sie wirklich brauchen. Jetzt freut sich ja der Mittelstand, dass er beste Passivhausqualität zu günstigen Preisen bekommt. Aus meiner Sicht sollte man Mietkauflösungen forcieren. Mit niederschwelligem Einstieg und späterem Ankauf. (Jutta Berger, DER STANDARD, 20.9.2014)

Hubert Rhomberg ist Geschäftsführer der Rhomberg-Gruppe. Das Bregenzer Familienunternehmen ist international in den Bereichen Bau, Bahntechnik und Ressourcen tätig.

  • "Man müsste sich viel stärker auf Verdichtung konzentrieren", sagt Bauunternehmer Hubert Rhomberg.
    foto: rhomberg

    "Man müsste sich viel stärker auf Verdichtung konzentrieren", sagt Bauunternehmer Hubert Rhomberg.

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