Weißenbacher will BWT von der Börse nehmen

19. September 2014, 11:46
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BWT-Chef und Großaktionär Andreas Weißenbacher strebt ein Delisting an

Wien - Der Wiener Börse dürfte tatsächlich der Wasseraufbereiter BWT abhanden kommen. BWT-Chef und Großaktionär Andreas Weißenbacher will die Gesellschaft ganz übernehmen. Er strebt ein Delisting an. Der BWT-Vorstand sieht darin keinen Nachteil. Dass die Aktien noch börsennotiert sind, bringt der Firma in Wirklichkeit nichts mehr - außer Spesen und Publikationspflichten. BWT ist seit 1992 an der Börse.

Bis 29. September 17 Uhr läuft das Übernahmeangebot von der unter Kontrolle von Weißenbacher stehenden Aqua Invest. Bei Bedarf ließe sich das Angebot (17 Euro je Aktie) um bis zu 10 Wochen verlängern. Mit dem Angebotspreis sind auch alle Ansprüche auf eine Dividende für 2014 abgegolten, heißt es in den Offert-Unterlagen.

Das Angebot zielt auf 3,6 Millionen Aktien, das sind 20,26 Prozent des Grundkapitals. Rund 73,7 Prozent werden jetzt schon Weißenbacher zugerechnet, einschließlich eigener Aktien der Firma.

Vorstand und Aufsichtsrat haben diese Woche ihre Äußerungen abgegeben. Nicht zuletzt wegen der personellen Verflechtungen wird von eindeutigen abschließenden Empfehlungen abgesehen. In Stellungnahmen auf der BWT-Homepage analysiert das Management im Wesentlichen, was für oder gegen die Annahme des Angebots spräche. Eine aktuelle Unternehmensbewertung wurde nicht veranlasst.

Obwohl das Angebot - anders als in der ersten Ankündigung - jetzt unter keinen Bedingungen mehr steht, zielt Weißenbacher offenbar darauf ab, auf 90 Prozent oder mehr aufzustocken. Dies unter Berücksichtigung der eigenen Aktien der Gesellschaft, das sind rund 6 Prozent.

Sollten es mehr als 90 Prozent werden, ist es nach österreichischem Recht möglich, durch einen Squeeze-out einen Ausschluss der Minderheitsaktionäre gegen angemessene Barabfindung zu verlangen. "Die Bieterin und die mit ihr gemeinsam vorgehenden Rechtsträger sind entsprechend ihren Ankündigungen im Angebot interessiert und bereit, einen solchen Squeeze-out zu verlangen und auch eine Beendigung der Börsenzulassung (Delisting) anzustreben", schreibt der Vorstand erläuternd.

"Es wird im Angebot ausdrücklich angedeutet, ein solches Delisting möglicherweise auch unabhängig von einem Squeeze-out betreiben zu wollen."

Vorstand nicht dagegen

Aus Sicht des Vorstands "wäre das von der Bieterin als Möglichkeit dargestellte Delisting grundsätzlich zu begrüßen", heißt es in der Stellungnahme des Managements zum Angebot. "Nach Überzeugung des Vorstands gehen von der Bösennotierung für die Gesellschaft nämlich keine nennenswerten Vorteile mehr aus."

Weder sei die Börse zur Finanzierung der weiteren Expansion genutzt worden, noch habe das Listing eine gesteigerte öffentliche Wahrnehmung des Unternehmens gebracht.

Seit 2006 schon notiert die BWT (Best Water Technology, Umsatz 2013: 507,7 Mio. Euro) nicht mehr im Leitindex ATX, seit 2013 nicht mehr im Prime Market. Dem geringen Nutzen der Börsennotierung stünden wesentliche jährliche Fixkosten für Gebühren, Publikationspflichten, Hauptversammlungen und steigende regulatorische Anforderungen gegenüber. BWT wird derzeit im Segment standard market auction gehandelt.

Weißenbacher als Vorstandsvorsitzender war an der vom Vorstand verfassten Beurteilung des Angebots nicht beteiligt. Das hat Finanzvorstand Gerhard Speigner allein vorgenommen. Ohne eine ausdrückliche Empfehlung abzugeben, wie vorausgeschickt wird, spricht laut Vorstand die Prämie gegenüber dem Schlusskurs der Aktie vor Bekanntmachung des Angebots und der deutlich darunter liegende Buchwert für die Annahme des Angebots.

Am letzten Börsentag vor Bekanntgabe der Angebotsabsicht (26.8.) schloss die Aktie der BWT an der Wiener Börse bei 16 Euro. Mit 17 Euro lag der Angebotspreis damit um 6,25 Prozent über dem Schlusskurs vor Angebotsankündigung. Zum Jahresende 2013 wurde der Buchwert mit 9,68 Euro berechnet, womit der Angebotspreis um 75,62 Prozent darüber liegt, und um 72 Prozent über dem Buchwert vom zweiten Quartal 2014.

Am gestrigen Donnerstag schloss die BWT-Aktie bei 18 Euro. Der Anlegerschützer Wilhelm Rasinger vermutete zuletzt, dass das Angebot bereits Spekulanten auf den Plan gerufen haben dürfte, die rund um Abfindungsprozesse schnelles Geld machen wollen. (APA, 19.9.2014)

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