Mailänder Modewoche: Barbies von Moschino, Tapetenschuhe von Prada

19. September 2014, 11:00
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Bei der Mailand Fashion Week machen die Granden der italienischen Mode große Show. An den ersten beiden Tagen zeigten Gucci, Armani und Prada ihre neue Kollektion

Gucci

In Mailand legt Gucci an Tag eins der Modewoche mit einem klaren Bekenntnis zu den 70er-Jahren vor: Ledermantelkleider mit goldenen Knöpfen, burgunderrote Kleider mit messerscharfem wie tiefem V-Ausschnitt. Da und dort Schnürungen vor der Brust, lose sitzende Jeans mit leichtem Schlag. Dazu mal knie-, mal wadenhohe Wildlederstiefel. Das bisschen Retro hat sicherlich auch Kate Moss gefallen. Die wirbt gerade in einem neuen Spot für die "Soft Jackie"-Tasche von Gucci und thronte deshalb während der Show in der ersten Reihe. Daneben saß mit rotem Lippenstiftmund Charlotte Casiraghi, die ihr Taschengeld als Beauty-Ikone für die neue Kosmetiklinie von Gucci aufbessert.

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Alberta Ferretti

Auch Alberta Ferretti mag's im kommenden Frühjahr nicht ohne Ledergehänge. Und obwohl sich die Kollektion eindeutig auch auf die späten 60er- und frühen 70er-Jahre bezieht, kommt das alles doch viel weniger kompakt als bei Gucci daher. Bei Ferretti geht es eben immer einen Tick lieblicher zu. Unter den bodenlangen Fransen einer Wildlederweste, bedeckt mit gelaserten Büten, wird bei Aberta Ferretti ein weißes besticktes Mousselinkleid getragen. Dazu wickelt die Designerin Lederbänder um die Waden der Models, die an den Füßen in Wildledersandalen münden. Joni Mitchell lässt grüßen.

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No. 21

Hilfe, diese Schuhe! Auf Instagram wurde noch während der Show von Alessandro Dell'Acquas Label No. 21 über die Mules aus Duchesse Satin mit ihren übergroßen Schleifen diskutiert – die meisten waren überzeugt: Die sehen erstens furchtbar aus und stehlen zweitens dem Rest die Show. Der Rest? Kariert, transparent oder geblümt. Die Silhouetten wurden dominiert von dreiviertellangen Röcken, kombiniert mit übergroßen Shirts, in der Taille natürlich mit dunklen Gürteln zusammengehalten. Denn ohne die, sind sich viele Designer gerade einig, geht im kommenden Frühjahr gar nichts.

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Max Mara

Ganz Mailand scheint sich abgesprochen zu haben. Auch bei Max Mara wird den 70er-Jahren gehuldigt, allerdings über den Umweg Anjelica Huston. Die Schauspielerin war 1971 für eine Max-Mara-Kampagne Modell gestanden. Jetzt wird der Frau erinnert, die erst im letzten Jahr eine Autobiografie herausgebracht hat. Und das mit langen, schlanken Silhouetten und Kleidern, die den Models bis zur unteren Wade reichen. Darauf feine schwarz-weiße Tupfen und Blumenmotive, über den Kleidern lange, locker fallende Mäntel und jede Menge schlappige Regenhüte. Max Mara beweist: In einem solchen Umfeld funktioniert sogar die Schluppenbluse.

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Emporio Armani

Nur einer lässt sich nicht so wirklich vom 70er-Revival anstecken. Giorgio Armani, in diesem Sommer 80 geworden, läuft stattdessen mit seiner Emporio-Armani-Linie mit einem kräftigen Blau auf. Das wird mal monochrom, mal in Blockstreifen und ganz zum Schluss in glänzenden PVC-Kleidchen umgesetzt. Dazu gekürzte Hosen, ab und an ein hervorblitzender Bauchnabel, jede Menge Turnschuhe und flache Sandalen, unter kleinen Kleidchen blitzen Radlerhosen hervor - wie Lagerfeld bleibt Armani an den Bedürfnissen der Jungen dran.

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Fendi

Erste Erkenntnis nach dem Beginn der Show: Karl Lagerfeld hält noch immer an Cara Delevingne fest. Die eröffnete den Laufsteg in einem Minikleid, das gleich das Leitmotiv der Show vorwegnahm: die Orchidee. Mal wird die zum Muster gemacht und als Raster übers Kleid gelegt, dann scheint sie als 3-D-Lederelement aus einer Lederjacke zu wachsen. Lagerfeld, Jahrgang 1933, und Co-Designerin Silvia Fendi, Jahrgang 1960, haben sich alle Mühe gegeben, eine junge Kollektion vorzulegen, die erstmals Jeans über den Fendi-Laufsteg schickt. Die wurde, noch so eine Neuerung, im Headquarters in Rom, dem Mussolini-Bau Palazzo della Civiltà Italiana, erdacht - und diente gleich der Inspiration.

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Costume National

An Tag zwei scheint der 70er-Jahre-Virus noch immer die Runde zu machen. Sogar vor Ennio Capasas Kollektion für Costume National macht er nicht halt. Das fast 30 Jahre alte Label, bekannt für seine minimalistische Handschrift, setzt auf jede Menge Schnürungen, breite Gürtel mit übergroßer kreisrunder Schließe, Franseln bis zum Boden. Die Kleider und Overalls spielen mit Asymmetrien, die Farbpalette bewegt sich zwischen Schwarz, Braun, Blau und Violett.

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Prada

Das Setting: jede Menge violetter Sand, zu hügeligen Dünen aufgeschüttet, drumherum teddybärbrauner Kuschelteppich. Miuccia Prada schickt ihre Models zu dissonanten Klängen durch diese verlassene Landschaft. Die Kleider? Vielleicht Überreste aus einem besseren Leben, in jedem Fall ein Spiel mit den Gegensätzen, dem Kärglichen und dem Opulenten: offene Säume, flatternde Fäden, sichtbar Abgenähtes zu Brokat-Stoffen und hier da glitzernde Diamanten am Ausschnitt. Trotz aller Brüchigkeit ist natürlich Miuccia Pradas Handschrift klar erkennbar. Da sind die Mantelkleider mit großen Krägen und Knöpfen, bunte Strümpfe in klobigen, hohen Sandalen, dazu immer wieder Pullunder. Ein Model kapituliert angesichts der hohen Hacken in der Schlussrunde und läuft auf bunten Socken weiter - wie gut, dass da der Kuschelteppich liegt.

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Moschino

Jeremy Scott hat sich in der zweiten Saison für Moschino wieder einmal ordentlich ausgetobt. Diesmal gibt's statt Spielereien mit McDonald's-Motiven eine Barbie-Kollektion. Und die mit allem Drum und Dran. Blonde, aufgeplusterte Perücken, pinkfarbene Kleidchen mit Stirnband, serviert auf Rollerskates oder in Cowboyboots. Wie gut, dass die Mattel-Barbie in ihrer Karriere so gut wie alle Rollen mit allen möglichen Klamotten ausgefüllt hat. So kann Jeremy Scott den durchgeknallten Kostümfundus aus dem Spielwarenregal neu adaptieren. Das Beste aber kommt zum Schluss. Auf moschino.com sind ausgewählte Stücke online gleich nach der Show zu haben. Motto: "Think pink and shop the dream."

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(Anne Feldkamp, derStandard.at, 19.9.2014)

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