Radiothek: "Alleingänge machen hier keinen Sinn"

18. September 2014, 21:39
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Neue Möglichkeiten könnten Hörgewohnheiten ändern - Privatradios wollen gemeinsame Plattform mit ORF

Wien - "Das revolutionäre am Radio ist, dass es nicht revolutionär ist", sagt ORF-Hörfunkdirektor Karl Amon in einer Diskussion bei den Medientagen 2014 und sieht in der Beständigkeit und Stabilität des Mediums dessen Stärken. Auch Klaus Schweighofer, Vorstand der Styria Media Group sowie Vorstandsvorsitzender des VÖP, stimmt dem zu. Radio sei mit einer Hörzeit von rund 200 Minuten am Tag das stärkste Medium in Österreich.

Dennoch hat die durchschnittliche Radionutzung im Jahres- und auch im Langzeitvergleich leicht abgenommen, was Klaus Schweighofer vor allem auf das sich ändernde Angebot zurückführt, unter anderem auf Apple, da das Unternehmen mit iTunes die Musikhörgewohnheiten revolutioniert hätte.

Moderatorin Petra Hauser, Vorsitzende der Geschäftsführung von media.at, betont ebenfalls die Stabilität des Medium Radio, findet aber, dass man sich nicht auf der Ist-Situation ausruhen dürfe. Verbesserungsbedarf sieht sie bei den Messsystemen, die bisher nicht in der Lage sind Radio-Angebote abseits UKW zu messen.

Der Erfolg österreichischer Radiosender sei auch im Bereich Social Media zu beobachten. Auf Facebook würden österreichische Radios die Liste aller deutschsprachigen Radioangebote, gemessen an den Fans, mit Abstand anführen. So verzeichnet das reichweitenstärkste Radio Ö3 über 414.000 "Gefällt mir"-Angaben. Auch Regionalradios können im Social Media punkten, betont Klaus Schweighofer. Das regionale Interesse der Hörer führt dazu, dass die kleineren Sender ebenfalls erfolgreich vertreten sind.

Zukünftige Entwicklungen

Neben einen Pilotversuch zur terrestrischen Digitalverbreitung mittels DAB+, der bereits im Frühjahr 2015 stattfinden könnte, sei auch eine Entwicklung zu Smart Radios erkennbar. Diese bieten "Customisation- Möglichkeit", Hörer können sich also aus unterschiedlichen Radiosendern ein eigenes Programm zusammenstellen. Ein Beispiel hierfür wäre der "UK Radioplayer", der als Kooperation von privatem und öffentlich-rechtlichem Radio 2011 im Vereinigen Königreich gegründet wurde. Dieser bietet alle BBC Services und mehr als hundert andere Britische Radiostationen auf einer Plattform vereint.

Ob dies eine Initiative wäre, die die Diskutierenden fördern würden, fragt Petra Hauser. Schweighofer sieht darin einen sehr guten Weg. "Wir arbeiten daran, Alleingänge machen hier keinen Sinn." "Jeder Verbreitungsweg ist uns recht. Die Frage ist nur, warum sollen die Österreicher auf ihr Radio verzichten, womit sie eigentlich zufrieden sind? Wir werden eine parallele Welt haben, mit hohem Anteil an UKW-Radio, aber auch die neuen Verbreitungswege werden eine große Rolle spielen", meint Karl Amon. Der ORF würde den neuen Entwicklungen offen gegenübersteht. Zu Bedenken gibt der ORF-Hörfunkdirektor aber, wie wenig wir uns mit Datensicherheit im Internet auseinandersetzen. Daher bringe das Digitalradio auch Gefahren mit sich und sei ein Mitgrund, wieso nicht allein auf Internetradio gesetzt werden könne.

Ian Walker, CEO bei Oxis Media und Managing Director JACKfm in Oxford, sieht ein weiteres Problem bei der Regulierung. Im digitalen Feld funktioniere Regulierung nicht, während im herkömmlichen Sektor sehr stark reguliert werde. Die Regierung solle ihren Regulierungsprozess daher überdenken und an die neuen Gegebenheiten anpassen.

Gespräche über Radiothek

Eine Radiothek - ein Modell, das österreichisches Radio, öffentliches wie privates Radio online gebündelt anbietet - würde Klaus Schweighofer begrüßen. Er sieht eine gemeinsame Initiative, die "die gesamte Vielfalt der heimischen Radiolandschaft" abbilden soll, auf einem guten Weg. Diskussionsbedarf gebe es noch über die Finanzierung. Auch laut Karl Amon wären die Gespräche sehr, sehr gut aber sie wären "noch lange nicht dort wo wir sein wollen".

"Was wünschen sie sich unterstützend von der Medienpolitik?" fragt Petra Hauser Klaus Schweighofer. Er würde sich ein System wünschen, das wirkliche Dualität widerspiegle. Es könne nicht sein, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk wie ein Privatradio agiere, meint Schweighofer mit Blick auf Ö3. Werbung im öffentlich-rechtlichen Raum wäre für ihn akzeptabel, aber nicht im gleichen Ausmaß wie bei Privatradios. Um das Medium Radio auch in Zukunft weiter erfolgreich zu halten, wäre weiterhin Kreativität gefragt. "Wenn wir nicht interessant sind, werden uns neue Technologien nicht helfen". (Sarah Matura, derStandard.at, 18.9.2014)

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