Sonja Ablingers Abgang: Rotes PR-Desaster

Kommentar18. September 2014, 18:09
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Die SPÖ nimmt ihre frauenpolitischen Forderungen nicht ernst

Werner Faymann hat vorerst eine Sorge weniger. Sonja Ablinger hat sich selbst aus dem Spiel genommen. Jene Abgeordnete, die dem Bundeskanzler in der letzten Legislaturperiode mit Stimmen gegen den Klubzwang und Parteikritik das Leben schwergemacht hat, verzichtet auf die Chance, nach einem noch anstehenden Entscheid des Parteienschiedsgerichts vielleicht doch wieder in den Nationalrat einzuziehen - ebenso auf das Amt der Frauenvorsitzenden in Oberösterreich.

"Unfassbare Unwahrheiten", die der rote Bürgermeister von Linz über sie verbreitet habe, seien für ihren Rückzug ausschlaggebend, erklärte Ablinger. Um eine Klarstellung des Landesparteichefs bat sie vergebens. Das Gezerre um die Einhaltung der selbstauferlegten Frauenquote der SPÖ hat somit den vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Übrig bleibt: Die SPÖ nimmt ihre frauenpolitischen Forderungen nicht ernst. Faymann wird in künftigen Wahlauseinandersetzungen kaum glaubwürdig Geschlechtergerechtigkeit oder etwa Quoten in Aufsichtsräten einfordern können. Eindeutig ist auch das Signal an die Genossen: Wer nicht spurt, wird nicht gebraucht.

Faymann muss sich auch die Frage gefallen lassen, wie sich eine banale Nachrückung im Nationalrat zu einer derartigen innerparteilichen Krise auswachsen kann - ein PR-Desaster sondergleichen. Da hat nicht nur die Ideologie, sondern auch das Management versagt. (Katrin Burgstaller, DER STANDARD, 19.9.2014)

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