Utopien in Hitze und Dunkelheit

18. September 2014, 17:17
posten

Holzfeind im Pavelhaus, Putrih in Radkersburg

Bad Radkersburg - Darya sitzt auf einem abgewetzten Sessel in der Wüste Kaliforniens. Sie lebt an einem Ort, der auf der Landkarte nicht existiert: "Slap City", eine Wohnwagenkommune von Künstlern und Aussteigern. Vorher lebte sie in Los Angeles. Von einem Extrem zog es sie damit ins nächste: brütende Hitze, kein fließendes Wasser, keine Polizei. Die Gemeinschaft in der Coloradowüste ist illegal, wird aber vom Staat geduldet. Darya wohnt in East Jesus, einem Teil der Wüstenstadt. Sucht man auf dem Fotoblog Tumblr danach, findet man aufgeschichtete Fernseher, deren Bildschirme mit Plakaten wie "Entertainment is crap" oder "Consume" überklebt wurden. Kritik an der Konsumgesellschaft Amerikas. Darya versucht fernab der Zivilisation einen Neubeginn.

In einem gefilmten Monolog erzählt sie von ihrer Vergangenheit und davon, warum sie sich für ein alternatives Leben entschied. Der Film Darya ist Teil von Heidrun Holzfeinds Dreikanalvideoinstallation Never Neverland (2014), die im Pavelhaus in Laafeld bei Radkersburg gezeigt wird. Die Lienzer Künstlerin porträtiert in ihrer Arbeit Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. Statt Gewinnstreben, Arbeitsdruck und Stress haben sich die Protagonisten in Never Neverland für mehr Autarkie, Solidarität und ein Leben in Einklang mit der Natur entschieden. Dafür wurde Holzfeind selbst Teil der Gemeinschaft. Momoland nahe Graz, und Pachamama in Slowenien sind zwei andere gelebte Utopien, die sie porträtierte.

Beim slowenischen Konzeptkünstler Tobias Putrih wurde die frühere Funktion des Ausstellungsortes, des Zollamts Bad Radkersburg, obsolet. Obwohl an der Grenze zwischen Österreich und Slowenien nicht mehr kontrolliert wird, stecke sie laut Putrih noch in den Köpfen. Als Symbol für die Grenze wählte er die Höhle von Potocka Zijalka in den Karawanken: Der Film Routine Inspection (2014) zeigt den Übergang von Licht zu Dunkel, vom weißen Schnee vor der Höhle bis zur pechschwarzen Dunkelheit im Inneren. Die Höhle dient als Metapher für das Übertreten der Staatsgrenze. Als ortsspezifische Installation transformiert Putrih die Höhle in das ehemalige Zollamt. Der Besucher kann als "Höhlenforscher" Gegenstände, Zeichnungen und Filme im Kunstraum erkunden. (ort, Spezial, DER STANDARD, 19.9.2014)

Pavelhaus und Zollamt, beide bis 23. 11.


Dieser Artikel ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Steirischen Herbst. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

Share if you care.