Weg mit dem Brautstrauß!

18. September 2014, 17:10
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Hochzeit mit Natascha Gangl und Transmissionaren

Graz - Wenn Dramatikerin Natascha Gangl gemeinsam mit dem Kollektiv Die Transmissionare in Nein, ich will! Eine Hochzeit für alle ein Hochzeitsbett aufstellt, so ist es nicht das erste Mal, dass in jüngster Zeit das Symbol ehelicher Vereinigung in Performance auftaucht. Erst unlängst war dem so, als die amerikanischen Performerinnen Annie Sprinkle und Elisabeth Stephens beim Kremser Donaufestival Marry the Soil. A Dirty Ecosexual Wedding zeigten.

Während dort die Beziehung zwischen Mensch und Natur hinterfragt wurde, ist es hier die Beziehung zwischen Mensch und Mensch. Es sind die Besitzverhältnisse, die die 1986 in Bad Radkersburg geborene Natascha Gangl interessieren. Gangl ist nicht nur eine erklärte Bewunderin Christoph Schlingensiefs, sie hat auch mit ihm gearbeitet und von ihm gelernt. Er habe ihr die Angst vor Fehlern oder Peinlichkeiten genommen, erzählte sie einmal.

Den furcht- und respektlosen Umgang mit gesellschaftlichen Konventionen mag sie da auch gelernt haben: In Nein, ich will!, das in Graz uraufgeführt wird, bringt sie die klassische Dramaturgie einer Hochzeitsfeier auf die Bühne - um sie am lebendigen Objekt untersuchen und pervertieren zu können. Ihr Augenmerk richtet sie dabei weniger auf die Verbindung zwischen zwei Menschen - sondern auf den Ausschluss dieser beiden aus der Gruppe der Mitmenschen, den das zugleich bedeutet. Auch im Heimatsaal des Volkskundemuseums wird mit Brautsträußen und Reis geworfen, werden Bräute entführt und Hochzeitsvideos gedreht.

Unendliche Möglichkeiten

Doch nicht nur ist die Musik nicht länger tanzbar, werden Requisiten missbraucht - auch die klare Rollenzuschreibung bricht. Besucher sind nicht nur Zaungäste, sondern können potenziell jede Rolle einnehmen: die des Gastes, eines Familienmitgliedes oder des Liebesobjektes. Im Setting einer Eheschließung, dem Zelebrieren von Abgrenzung und Ausschluss, feiern Gangl und die Transmissionare die Unendlichkeit der Möglichkeiten. Denn die sind in der eifersüchtigen Abschottung natürlich schon mitgedacht. (hein, Spezial, DER STANDARD, 19.9.2014)

1.-3. 10., Heimatsaal im Volkskundemuseum, 19.30


Dieser Artikel ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Steirischen Herbst. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

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