Abenteuer ist hinter den tristesten Türen

18. September 2014, 17:08
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machina eX und Benjamin Verdonck gehen auf Entdeckungsreise in die Steiermark

Wildon - Um eine zweite, parallele Welt in der vor uns liegenden Realität zu finden, bedienen sich Eskapisten vornehmlich virtueller Welten. Dabei ist das Aufzeigen der Möglichkeiten, Alternativen und Abgründe in unserer nur scheinbar eindimensionalen Wirklichkeit eigentlich immer schon Kernkompetenz des Theaters gewesen. Daran erinnert die deutsche, aus Performance- und Technik-Künstlern bestehende Gruppe machina eX mit machina exkursion: Kingdom. Ein site-specific Mystery-Hörspiel-Game.

Im Rahmen des Steirischen Herbstes soll ihr Projekt, das dort uraufgeführt wird, ausloten, was hinter der Steiermark, oder genauer, hinter dem Ort Wildon noch so alles versteckt liegt. Dort nämlich werden die Zuschauer zu Spielern eines Adventure Games.

Das Computerspiel wird zur Realität, in Kleingruppen haben die Teilnehmer rätselhafte Räume zu untersuchen oder schwierige Aufgaben zu erfüllen. Nur Zuschauen geht hier nicht -, denn was das Publikum tut, ist entscheidend für den Fortgang der Geschichte. Zwei Stunden lang geht die Entdeckungsreise, in der eines klar wird: Noch die banalste Provinz verbirgt hinter ihren Fassaden und Gassen das Unwahrscheinlichste. Zerfall steckt hinter dem schönsten Putz, Geheimnisse hinter dem belanglosesten Anstrich und Abenteuer hinter den tristesten Türen. Man muss es nur sehen.

Zu sehen gibt es auch einiges in Benjamin Verdoncks notallwhowanderarelost im Schloss Wildon. Ist es bei machina eX ein ganzes Dorf, so beansprucht Verdonck nur kleinsten Raum für sich: Der belgische Theatermacher und Schauspieler macht aus einem kleinen Kasten ein Kunstwerk.

Im Wunsch, ein "Mini-Theater" zu realisieren, hat er ein mechanisches Tischtheater in überschaubarem Maßstab geschaffen, in dem auf kleinster Fläche Geschichten erzählt und performt werden. Geometrische Figuren sind die Spieler, auf Karton geschriebene Fragen geben die Richtung vor. Verdonck selbst ist Schauspieler ebenso viel wie Techniker. Und der Spruch "Platz ist in der kleinsten Hütte" findet bei ihm zu völlig neuer Bedeutung: Leben und Kunst passen auch in einen kleinen Kasten. (Andrea Heinz, Spezial, DER STANDARD, 19.9.2014)

machina exkursion: 3.-5., 9.-12. 10., Wildon, alle Zeiten unter steirischerherbst.at

notallwhowanderarelost, 4., 5. 10., Schloss Wildon, 19.30


Dieser Artikel ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Steirischen Herbst. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Benjamin Verdonck und sein "Mini-Theater".
    foto: kurt van der elst

    Benjamin Verdonck und sein "Mini-Theater".


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