Das Ereignis des zuckenden Muskels

18. September 2014, 16:58
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Maria Hassabi changiert in "Premiere" zwischen Tanz und Skulptur

Graz - Wie wird aus einem kreativen Akt ein Kunststück? Für Choreografin und Performerin Maria Hassabi geht das nur durch die Anwesenheit des Publikums. Die Erwartungshaltung der Zuseherinnen und Zuseher erst macht das Kunststück zum Kunststück. Es ist dieser Moment, den sie in ihrem für den Bessie Award, den New York Dance and Performance Award, nominierten Stück Premiere thematisiert: Was die fünf Performerinnen und Performer aufführen, wird erst durch die Blicke des Publikums mit künstlerischer Bedeutung aufgeladen.

Die Bedingungen der Möglichkeit performativer Kunst hat sie bereits in vorhergehenden Stücken studiert, sie trugen die Titel Solo, Intermission (Pause) und Show. Nun wendet sie sich also der Premiere zu. Was Biba Bell, Hristoula Harakas, Robert Steijn, Andros Zins-Browne und Hassabi selbst in Premiere dazu auf der Bühne aufführen, ist an sich gar nicht besonders viel: Meistens erinnern sie eher an ein Tableau vivant, das sich zwar ständig verändert, dies aber so langsam und wohldosiert tut, dass dem aufmerksamen Zuschauer bald schon ein zuckender Muskel als bedeutsames Ereignis erscheint.

Dabei sind die Grenzen zwischen Tanz und bildender Kunst in den parallel ablaufenden Solos sehr fließend; und es mag wohl oft nur am Zuschauerblick liegen, was man darin sieht. Die in Zypern geborene, in New York lebende Hassabi hat sich bereits in den letzten Jahren zunehmend mit dem Körper und seiner bildlichen Repräsentation beschäftigt. Auch in Premiere wird der Körper immer wieder auf seine Qualitäten als Skulptur hin befragt, wird er als bildlicher Zustand statt als bildender Prozess gezeigt.

Zugleich stellt Hassabi auch Verletzlichkeit ins Zentrum ihrer Arbeit: Denn sowohl ist der Performer verletzlich, der zum ersten Mal eine neue Idee aufführt, als auch der Zuschauer, den man mit etwas Neuem, nicht Erwartbarem konfrontiert. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 19.9.2014)

Dom im Berg, 27. 9, 19.30, 28. 9., 17.30


Dieser Artikel ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Medienkooperation mit dem Steirischen Herbst. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Der Blick des Publikums führt auch Regie beim Tableau vivant der Performerin Maria Hassabi aus New York.
    foto: marialena marouda

    Der Blick des Publikums führt auch Regie beim Tableau vivant der Performerin Maria Hassabi aus New York.


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