Nachdenken über das Öffnen der blauen Blase

18. September 2014, 17:45
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"Zum Beispiel Kunsthaus": Diskussionsreihe über die Zukunft der Kulturstadt Graz

Graz - "Sind wir so fad geworden?", rief Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) am Mittwochabend den zahlreich erschienenen Leuten im Grazer Kunsthaus zu. Diese Stadt brauche Diskussionen und Aufregung, so der Stadtchef angesichts der Sorge vieler, dass um die 2003 eröffnete blaue Blase unlängst Debatten aufgeflammt waren.

Wer soll das Haus nutzen? Für wen soll es da sein, und was braucht Graz, eine Stadt mit einer proportional zur Einwohnerzahl ungemein dichten Kulturszene, um sich weiter Kulturstadt nennen zu dürfen? Diskurs sei doch gut, befanden Bürgermeister wie auch Grünen-Kulturstadträtin Lisa Rücker und initiierten mit Joanneums- und damit auch Kunsthauschef Peter Pakesch vier offene Diskussionsabende, wo Kulturschaffende, Architekten und interessierte Bürger Antworten finden wollen. Die Politik blieb im Publikum. Museumsplaner Dieter Bogner und Kulturvermittlerin Andrea Hubin moderieren die Abende mit verschiedenen Themenschwerpunkten.

Am ersten Abend ging es auch um den Umraum des Museums und darum, wie es sich in den Stadtraum fügt. Während evident ist, dass die Eröffnung des Hauses dieses Murufer aufwertete, teilten einige auf dem Podium die Beobachtung, dass es noch immer ein Fremdkörper im Viertel ist. So bedauerte etwa Markus Bogensberger, Leiter des direkt benachbarten Hauses der Architektur, dass der in den letzten Jahren zum mehrtägigen Festival angewachsene Lendwirbel mit seinem "wirklich tollen, urbanen Flair" und der rundherum werkenden Szene am Haus abprallt. Johanna Hierzegger vom auch im Viertel ansässigen Theater im Bahnhof befragte vor der Diskussion Geschäftsleute in unmittelbarer Nachbarschaft. Der traurige Grundtenor: "Die meisten waren hier noch nie herinnen."

Architektin Karin Tschavgova erinnerte daran, dass das Haus ursprünglich offener und transparenter geplant war. Von den Drehtüren bis zum erst um 10.00 Uhr öffnenden Foyer sei vieles nicht sehr einladend. Österreichs Biennale-Kommissär Yilmaz Dziewior - der Direktor des Kunsthauses Bregenz wechselt nächstes Jahr nach Köln - ermunterte die Kulturpolitik, Verkehrsberuhigung rund um den Standort voranzutreiben und über freien Eintritt mehr Jugend anzulocken. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 19.9.2014)

24. September um 19.00 Uhr: Das Museum als Bildungsinstitution

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