Islamische Theologie: Neues Paket könnte Finanzierung ermöglichen

19. September 2014, 13:57
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Mitterlehner will Fachbereich aus Mitteln für "interreligiösen Dialog" unterstützen

Wien - Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) will sie schon lange: eine deutschsprachige islamische Theologieausbildung. Mit dem "Maßnahmenpaket gegen Jihadismus" könnte eine Finanzierung eines eigenen Fachbereichs an der Universität Wien möglich werden. Wenn tatsächlich mehr Geld fließt, könnten so 2016 die ersten Studenten ein Bachelorstudium beginnen.

Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat im Zuge des "Maßnahmenpakets gegen Jihadismus" angekündigt, im kommenden Universitätsbudget für die Jahre 2016 bis 2018 insgesamt drei Millionen Euro für Projekte zu reservieren, die den "interreligiösen Dialog und den Austausch zwischen den Kulturen" vorantreiben sollen. Eines dieser Projekte könnte das Bachelorstudium für Islamische Theologie sein. "Wenn die Universität Wien im Rahmen der Verhandlungen zu den Leistungsvereinbarungen ein solches Studium vorschlägt, könnten wir Geld von diesen drei Millionen Euro dafür verwenden", sagt ein Sprecher des Ministers im Gespräch mit derStandard.at.

Drei zusätzliche Professoren

Die Universität Wien selbst hegt durchaus den Wunsch, ein solches Studium einzurichten. Vizerektor Heinz Faßmann sagt in einer Stellungnahme zu derStandard.at, dass die Universität den gesellschaftspolitisch wichtigen Auftrag annehme, einen "Islam europäischer Prägung" zu vermitteln. Er macht aber gleichzeitig auf die dafür nötigen zusätzlichen Geldmittel aufmerksam: "Wir benötigen drei zusätzliche Professuren. Aus dem Bestand heraus ist das nicht zu finanzieren, denn es gibt keine vernünftige Antwort auf die Frage, was wichtiger ist: Islamische Theologie oder Quantenphysik."

Derzeit betreibt die Universität Wien gemeinsam mit der Universität Innsbruck das Masterstudium Islamische Religionspädagogik, in dem deutschsprachige Religionspädagogen für öffentliche Schulen ausgebildet werden. An der Uni Wien wird zudem der postgraduale Lehrgang "Muslime in Europa" angeboten. Mit dem Bachelorstudium Islamische Theologie würde die Uni keine Imame ausbilden, aber die Grundlage für die Ausbildung legen. Wie bei katholischen Pfarrern die Kirche würde die berufsspezifische Ausbildung für Imame die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) übernehmen.

Deutsche Predigt

"Unser Ziel ist es, dass in den österreichischen Moscheen auf Deutsch gepredigt wird und nicht mehr türkische Imame für drei Jahre nach Österreich kommen und dann das Land wieder verlassen", sagt ein Sprecher von Integrationsminister Kurz. Mit dem Studium Islamische Theologie sollen nach seiner Vorstellung auch islamische Seelsorger, Religionslehrer und Vorbeter ausgebildet werden. Das "ambitionierte Ziel" sei, das Studium ab 2015 anbieten zu können.

Dieses Ziel wird sich allerdings kaum erreichen lassen. Die zusätzlichen Mittel, die die der Universität Wien benötigt, können erst mit der neuen Leistungsvereinbarung ab 2016 fließen. Zudem ist trotz des angekündigten Maßnahmenpakets unklar, ob das Wissenschaftsministerium wirklich genügend Mittel anbieten kann. "Wir sind derzeit dabei, im Hinblick auf die Verhandlungen zur neuen Leistungsvereinbarung einen Budgetplan zu erstellen", sagt die Sprecherin der Universität zu derStandard.at.

Im Jahr 2016 könnten dann auch die drei neuen zusätzlichen Professurstellen ausgeschrieben und das Curriculum entwickelt werden. Laut der Hochschule könnten dann frühestens im Wintersemester 2016/17 die ersten Studenten ihr Studium beginnen. (Lisa Kogelnik, derStandard.at, 18.9.2014)

  • Auch Vorbeter sollen von dem neuen Studium profitieren können, wenn es nach Integrationsminister Sebastian Kurz geht.
    foto: apa/gindl

    Auch Vorbeter sollen von dem neuen Studium profitieren können, wenn es nach Integrationsminister Sebastian Kurz geht.

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