Hepatitis-C-Virusproteine auf dem Weg zur ISS

18. September 2014, 21:50
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Proteine sollen unter Mikroschwerkraft-Bedingungen kristallisiert und anschließend entschlüsselt werden

München - Mit dem Projekt "Egypt Against Hepatitis-C-Virus" haben zwei aus Ägypten stammende Forscher der Technischen Universität München (TUM) den US-Wettbewerb "International Space Station (ISS) Research Competition" gewonnen. Als Preis wird die ISS-Crew das Forschungsvorhaben der beiden Wissenschaftler kostenlos auf der Internationalen Raumstation durchführen.

Die Idee: Proteine des Hepatitis-C-Virus (HCV) auf die ISS zu schicken, um dort Proteinkristalle zu erzeugen. Frühere Versuche mit anderen Proteinen haben gezeigt, dass Kristalle aus dem Weltall qualitativ besser waren als solche, die auf der Erde produziert wurden, wo die Schwerkraft die Kristallisierung negativ beeinflussen kann.

Mit Hilfe spezieller Röntgentechniken wollen die Forscher anhand dieser Kristaller den molekularen Aufbau der Proteine entschlüsseln. "Wenn wir die genauen Strukturen kennen, lassen sich in Zukunft vielleicht neue Angriffspunkte für Medikamente entdecken", erklärt Ulrike Protzer vom Institut für Virologie der TUM.

Hohe Infektionsrate

Ägypten hat weltweit einen der höchsten Anteile an Hepatitis-C-Infektionen - nach einer Schätzung des Ägyptischen Gesundheitsministeriums von 2008 sind etwa 15 Prozent der 15 bis 59-Jährigen betroffen. "Mit dem Projekt wollen wir einen Beitrag leisten, das Virus besser zu verstehen und seine Schwachstellen zu finden", sagt der Wissenschafter Akram Amin Abdellatif. Er rief das Projekt zusammen mit der Virologin Hanaa Gaber ins Leben.

Die beiden Forscher wählten zwei Proteine des HCV-Genotyps 4 aus, der in Ägypten vorherrschend ist. Das erste Protein, NS5B, sorgt bei einer HCV-Infektion dafür, dass in der befallenen Zelle das Erbgut des Erregers vervielfältigt wird. Das zweite Protein, NS3, arbeitet wie eine molekulare Schere und zerteilt während der Virusvermehrung eine Kette aus Proteinen in einzelne funktionstüchtige Viruseiweiße.

Start am 20. September

Gaber hat beide Proteine im Labor isoliert und gereinigt. Verpackt in speziellen Transportboxen sollen sie dann am 20. September zur ISS gebracht werden. Nach vier Wochen sollen die fertigen Kristalle den Rückweg zur Erde antreten.

Parallel zum Weltall-Experiment werden die Proteine auch in einem Labor auf der Erde kristallisiert, um die Ergebnisse vergleichen zu können. Der Transportflug soll am 20. September 2014 in Cape Canaveral, Florida, starten. (red, derStandard.at, 18.9.2014)

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    foto: apa/epa/nasa/kim shiflett
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