Kitzbühel: Hauskäufer in der Mausefalle

21. September 2014, 19:47
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Der Kitzbüheler Immobilienmarkt ist ein teures Pflaster: Eine Million Euro kostet ein Einfamilienhaus dort im Schnitt, für Villen werden auch 17 Millionen Euro bezahlt

In so mancher Kitzbüheler Villa schaltet sich täglich zur gleichen Zeit das Licht ein, und auch der Rasensprenger im Garten wird regelmäßig aktiv. Doch zu Hause ist oft niemand, erklärt Thomas Nothegger, der für die Jungen unabhängigen Kitzbüheler/-innen im Gemeinderat sitzt.

Es gehe oft nur darum, den Schein zu wahren. Er schätzt, dass rund 40 Prozent der bestehenden Wohneinheiten in Kitzbühel leerstehen oder als nichtgemeldete Zweitwohnsitze genutzt werden - obwohl dafür in Tirol eine Quote von höchstens acht Prozent festgelegt ist.

Streitfall Uschi Glas

Im Rathaus weist man diese Zahlen zurück: Fast keine Häuser würden leerstehen, 17 Prozent der Wohneinheiten seien als Freizeitwohnsitz gewidmet. Die Kontrolle der Hauptwohnsitze sei nicht einfach und liege bei der Bezirkshauptmannschaft, sagt Rathaus-Sprecher Felix Obermoser. Der bekannteste Streitfall: Der deutschen Schauspielerin Uschi Glas wurde vorgeworfen, zu selten am vermeintlichen Hauptwohnsitz anzutreffen zu sein, woraufhin sie das Kitzbüheler Domizil als Arbeitswohnsitz deklarierte - und damit durchkam.

Wer hier wohnen will, muss zwar nicht unbedingt berühmt sein, aber zumindest bereit, tief in die Tasche zu greifen. Laut kürzlich veröffentlichten Daten von Remax Österreich ist Kitzbühel der teuerste Bezirk, was Einfamilienhäuser betrifft. Eine Million Euro blättert man hier im Schnitt für ein Haus hin.

Zwei Märkte

Manfred Hagsteiner verdient damit seinen Lebensunterhalt. Er leitet das älteste Maklerbüro der Stadt und ist nicht ganz glücklich über die Statistik: Dabei werden seiner Ansicht nach zwei unterschiedliche Märkte vermischt, "nämlich einerseits der freie Verkauf an EU-Bürger und der Verkauf an Einheimische".

Auch im Rathaus wird betont, dass Einheimische und Luxussuchende auf verschiedenen Märkten unterwegs sind. Die Stadt kaufe etwa nicht gewidmete Grundstücke, parzelliere sie und verkaufe sie an Einheimische zu einem Quadratmeterpreis ab 180 Euro, während man am freien Markt dafür 2000 Euro zahlen würde.

Nothegger findet, dass das Angebot für Einheimische dennoch nicht reiche und fordert mehr Miet-Kauf-Konzepte. Einige Grundstücke gebe es zwar noch: "Aber es ist schon viel zu spät."

Die mehr als 60 Makler, die es in der 8200 Einwohner zählenden Stadtgemeinde gibt, interessiert aber wohl eher der freie Markt. Ein Großteil der Kunden kommt aus Deutschland, so Hagsteiner. 17 Millionen Euro kostet das teuerste Objekt, das auf seiner Website derzeit angepriesen wird. Auf Anfrage hat er aber auch eine Villa um 27 Millionen Euro im Angebot - inklusive 3500 m² Wohnfläche, einer Garage für 16 Autos und eines Indoor-Golfplatzes. Das Hallenbad gehöre mittlerweile ohnehin zum Standardangebot.

Angst vor Immobilienblase

Über die architektonische Qualität so mancher Luxusvilla lässt sich aber streiten. "Viel Protz" sah etwa Christian Heiss, der mit seinem Architekturbüro Atelier Heiss vor einigen Jahren in der Kitzbüheler Altstadt ein zweistöckiges Penthouse baute. Dieses erinnert wenig an die für Kitzbühel typischen Bauten mit viel Holz und noch mehr Schnörkeln, die laut Hagsteiner eher von einer "gesetzteren Klientel" gekauft würden.

"So wird es nicht mehr lange weitergehen", prophezeit jedenfalls Junggemeinderat Nothegger, der in den überhitzten Preisen eine Immobilienblase zu erkennen glaubt. Hagsteiner entgegnet, dass davon "schon seit mehr als zehn Jahren die Rede ist". Jetzt beginne jedenfalls die Hauptsaison für Hausverkäufe wieder: "Die Leute wollen Weihnachten in Kitzbühel verbringen." (Franziska Zoidl, DER STANDARD, 20.9.2014)

  • Villen und Preise sind Geschmackssache: Bei einer Million Euro liegt der Durchschnitt für ein Einfamilienhaus, nach oben ist alles offen. Dafür kann man auch ein Hallenbad haben oder Indoor-Golf spielen.

    Villen und Preise sind Geschmackssache: Bei einer Million Euro liegt der Durchschnitt für ein Einfamilienhaus, nach oben ist alles offen. Dafür kann man auch ein Hallenbad haben oder Indoor-Golf spielen.

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