Stabiles Hoch am Vorarlberger Immobilienmarkt

19. September 2014, 09:51
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Vorarlberg ist nach Salzburg und Wien das teuerste Bundesland Österreichs. Leistbares Wohnen war eines der Hauptthemen im Wahlkampf

Ein stabiles Hoch melden nicht Meteorologen, sondern Immobilienhändler für Vorarlberg. In guten und besten Lagen klettern die Preise weiter nach oben, in mittleren Lagen haben sie sich auf hohem Niveau stabilisiert. In Euro heißt das: 1000 Euro und mehr für den Quadratmeter Grund mit Seesicht in Bregenz. In stadtnahen Dörfern können die Preise auf bis zu 500 Euro klettern.

Innerhalb des letzten Jahres wurde Bauland um 11,5 Prozent teurer, seit 2009 sogar um 40 Prozent - womit Vorarlberg in Österreich Spitzenreiter ist. Neue Eigentumswohnungen, die wie Schwammerln nach dem Regen aus dem Boden wachsen, kosten im Durchschnitt 3500 bis 3800 Euro pro Quadratmeter. Die Nachfrage ist groß, schließlich legt man mittlerweile das Geld lieber in Immobilien an. Für gebrauchte Häuser muss man Quadratmeterpreise bis zu 3500 Euro bezahlen, für Secondhand-Wohnungen bis 3000 Euro.

Stockerlplatz bei Wohnkosten

Die Mieten auf dem privaten Markt sind entsprechend hoch. So hoch, dass man sie in Zeitungsinseraten gleich gar nicht mehr angibt. Wer eine Wohnung sucht, soll anrufen, sich persönlich vorstellen und gleich den Lohnzettel vorlegen. Die Mieten am freien Markt reichen bis 9,30 Euro.

Im Bundesländervergleich hat Vorarlberg bei den Wohnkosten einen Stockerlplatz. Nach Salzburg zahlt man hier die höchsten Mieten, beim Wohnaufwand erreicht Vorarlberg nach Salzburg und Wien den dritten Platz. Private Mietwohnungen sind nur in Salzburg teurer. Geförderte Mietwohnungen kosten durchschnittlich 6,90 Euro pro Quadratmeter. Teurer wohnt man auch im sozialen Wohnbau nur in Salzburg.

Wahlkampfthema Wohnen

Kein Wunder, dass leistbares Wohnen eines der Hauptthemen des Wahlkampfs war. Die Armutskonferenz errechnete Referenzbudgets, fürs Wohnen in der Kleinwohnung muss eine Einzelperson demnach monatlich 499 Euro ausgeben. Vier Menschen auf 80 Quadratmetern müssen mit 760 Euro rechnen. Durchschnittlich verdienen Vorarlberger jährlich 24.572 Euro, Vorarlbergerinnen 14.027 Euro.

"Gerade für junge Menschen wird es immer schwieriger, sich eine erste Wohnung zu leisten", sagt Julian Fässler, Obmann der JVP. Die Vorschläge der Parteijugend an ihre regierende Mutterpartei: mehr Jugendwohnungen ohne hohe Standards, dafür aber günstig. Damit der Start ins selbstständige Leben nicht gleich mit Überschuldung beginnt, sollte das Land günstige Jugendkredite vergeben. 5000 Euro für Gebühren, Kaution und erste Möbel schweben Fässler vor.

Bauland durch Bodenfonds

Die Jungen Grünen wollen bei den Grundstückspreisen ansetzen. Nina Tomaselli, Gemeindepolitikerin und Landtagskandidatin, hätte gerne bodenpolitisch aktive Gemeinden. Bauland könnte durch Bodenfonds aktiviert werden, sagt die Volkswirtin: "Land und Gemeinden gründen einen Bodenfonds und kaufen Grundstücke an. Diese werden langfristig - beispielsweise für 100 Jahre - mit Baurechtsverträgen an Familien, Bauträger und Betriebe verpachtet." So könne man die knappe Ressource Boden der Spekulation entziehen.

Über aktive Bodenpolitik werde man in der nächsten Legislaturperiode intensiv diskutieren, sagt Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP). Er könne sich Baulandmobilisierung durch die Gemeinden vorstellen. Über das "sehr sensible Thema" müsse aber noch intensiv nachgedacht werden. Baukosten senken möchte Wallner über die Vereinfachung von Bauvorschriften, wenn nötig auch durch eine Vorarlberger Bautechnikverordnung.

Eine weitere Kostenbremse sieht Wallner im gemeinnützigen Wohnbau. 2500 Wohnungen sollen bis 2018 in allen Gemeinden des Landes entstehen. Der Vorschlag der Sozialdemokraten, eine Quote an geförderten Wohnungen in allen neuen Wohnanlagen vorzuschreiben, wurde bisher von der ÖVP nicht angenommen. (Jutta Berger, DER STANDARD, 20.9.2014)

  • Pro Jahr sollen in Vorarlberg 500 neue gemeinnützige Wohnungen entstehen. Sozialer Wohnbau hat hohe Standards, auch bei der Sanierung. Hier die sanierte Siedlung Dornbirn-Fussenau.
    foto: vogewosi

    Pro Jahr sollen in Vorarlberg 500 neue gemeinnützige Wohnungen entstehen. Sozialer Wohnbau hat hohe Standards, auch bei der Sanierung. Hier die sanierte Siedlung Dornbirn-Fussenau.

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