Urbanes Projekt mit Startproblemen

19. September 2014, 16:24
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Baubeginn für Seestadt Bregenz soll nun im Frühjahr 2015 sein

Noch ist es ruhig zwischen Bregenzer Innenstadt und Bahnhof. Statt Baggern und Kränen stehen auf dem 9000 Quadratmeter großen Areal nur Autos. Auf dem Parkplatz in Seelage sollte eigentlich bis 2013 die Seestadt, ein urbanes Stadtviertel mit Campuscharakter, entstehen. Das kündigte Entwickler Bernhard Ölz (Prisma) 2009 an.

Ein Jahr später wurden die Sieger des Architekturwettbewerbs, die Planungsgemeinschaft Aicher Architekten (Lustenau), Zechner & Zechner (Wien), Ludescher und Lutz (Bregenz), präsentiert. 2011 sollte Baubeginn sein.

Nichts Sichtbares geschehen

2011 wurde bereits die nächste Stadterneuerung, das Projekt Seequartier angekündigt. Realisiert wird die Überbauung des Bahnhofareals durch Rhomberg Bau, Schertler-Alge und Zima. Baubeginn sollte Herbst 2012 sein. Außer ersten Vorarbeiten der ÖBB für den Bahnhofabriss geschah im Seequartier nichts Sichtbares.

Die Seestadterrichter können nicht mit ihren Nachbarn, den Seequartierbauern, raunte es durch Bregenz. Und: Wahrscheinlich würde überhaupt nicht gebaut, weil das Geld fehle. 2012 setzte Prisma-Vorstand Ölz den Gerüchten ein Ende und präsentierte die SES Spar European Shopping Centers GmbH als neuen Partner. Die Gesellschaft, nach eigenen Angaben Österreichs größter Entwickler und Betreiber von Shoppingcentern, übernahm zusammen mit der JDL Leasing 40 Prozent der Anteile von Prisma. Baubeginn 2013, hieß es.

Die Einigung über die gemeinsame Tiefgarage dauerte aber noch. Außerdem wurde das Wettbewerbsprojekt umgeplant. Aus dem Campus wurde ein Einkaufszentrum mit Wohnungen und Büros. "Wir sind startklar, Baubeginn ist im Herbst 2014", berichtete Ölz im Vorjahr.

Keine Verzögerungen

Bagger werden aber auch im Herbst 2014 noch nicht auffahren. Noch wurden keine Pläne eingereicht. Ende des Jahres sei man so weit, sagt Ölz zum Standard. "Dann geht's wirklich los." Der Fahrplan: Bauverfahren im Jänner und Februar 2015, Bescheid im März oder April. "Dann können wir loslegen."

Von Verzögerung möchte Ölz nicht reden. "Das ist relativ. Es gab einfach so viele Fragen abzuklären, von denen wir nicht gewusst haben, dass sie auf uns zukommen." So wurde die geplante zweigeschoßige Tiefgarage von 600 auf 550 bis 560 Plätze redimensioniert. Als Grund dafür nennt Ölz den Schutz alter Gebäude an der Bahnhofstraße, denen Schaden durch die Baumaßnahmen gedroht hätte.

Bodensee als Energielieferant

Viel Zeit habe man auch in das Konzept der Seewassernutzung investiert, sagt Ölz. In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken möchte man den Bodensee künftig für die Seestadt und benachbarte Viertel als Energielieferanten nutzen. Über spezielle Wärmepumpen will man das Seewasser im Sommer zum Kühlen und im Winter zum Heizen einsetzen.

In der Seestadt werden 14.000 m² Handelsfläche, 2000 m² für Büros und 60 Wohnungen vermietet. Das Gesamtinvestment wurde 2009 noch mit 70 bis 75 Millionen Euro beziffert, heute rechnet man mit 110 Millionen. (jub, DER STANDARD, 20.9.2014)


  • Die Seestadt Bregenz, wie sie dereinst aussehen soll. Bis die Bagger auffahren, wird aber noch ein halbes Jahr vergehen.
    visualisierung: seestadt bregenz

    Die Seestadt Bregenz, wie sie dereinst aussehen soll. Bis die Bagger auffahren, wird aber noch ein halbes Jahr vergehen.

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