Wie sich kranke Bienen selbst medikamentieren

22. September 2014, 11:51
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Forscher fanden heraus, dass an Darmkrankheiten leidende Bienen Honigsorten mit bestimmten Inhaltsstoffen bevorzugen

Halle (Saale) - Honig dient Bienen als Futter und Energiequelle, um über längere Zeiträume hinweg ohne Nahrungszufuhr von außen überleben zu können. Seit Jahren gibt das weltweit zunehmende Bienensterben Anlass zu großer Sorge. Im Fokus der Ursachenforschung stehen dabei vor allem in der Landwirtschaft eingesetzte Insektizide. Doch auch andere Faktoren wie Darmkrankheiten können zum Sterben ganzer Bienenvölker beitragen.

Bienen sind jedoch in der Lage, sich selbst vor Infektionen schützen, indem sie die natürlichen Heilstoffe des Honigs nutzen: Wie Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nun herausfanden, bevorzugen kranke Bienen andere Honige als ihre gesunden Artgenossen: Nämlich jene, deren Inhaltsstoffe besonders wirksam gegen Infektionen des Darms sind. Die Forschungsergebnisse sind aktuell im Fachmagazin "Behavioral Ecology and Sociobiology" erschienen.

Infektion im Bienenstock

In einem Bienenstock leben tausende Bienen auf engem Raum bei über 30 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit zusammen. Es herrschen also ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Infektionen wehren Bienen zum einen mit Hilfe ihres Immunsystems ab. Zum anderen enthält der von ihnen produzierte Honig natürliche Inhaltsstoffe, die gegen Bakterien, Pilze oder Viren wirken.

Die Forscher um Silvio Erler und Robin Moritz untersuchten, inwieweit Bienen ihren Honig als Heilmittel zur Behandlung von Krankheiten nutzen. "Die Frage war, ob die Tiere entsprechend ihres Gesundheitszustands bei der Wahl des Honigs neben dem Nährwert auch den Heilwert berücksichtigen", so Erler.

Vorliebe für Sonnenblumenhonig

Im Labor infizierten die Wissenschafter Bienen mit dem Darmpilz Nosema ceranae und verglichen dann, wie gesunde und kranke Tiere zwischen verschiedenen Honigen wählten. "Wir beobachteten, dass infizierte Bienen keinen Unterschied zwischen Linden- und Robinienhonig machten. Während Honigtauhonig von ihnen kaum gewählt wurde, hatten sie jedoch eine große Vorliebe für Sonnenblumenhonig, die mit zunehmender Infektion der Bienen sogar anstieg", berichtet Erler.

Anschließend untersuchten die Forscher die Wirksamkeit der Honige auf die Darminfektion. Und tatsächlich: "Die Bienen wiesen wesentlich geringere Sporenmengen im Darm auf, wenn sie sich ausschließlich von Sonnenblumenhonig ernährt hatten. Bienen, die Honigtauhonig konsumiert hatten, zeigten hingegen einen stärkeren Befall."

Auch im Labortest zeigte der Sonnenblumenhonig eine bessere Wirkung als der Honigtauhonig. Die Selbstmedikation zeigt also Wirkung. (red, derStandard.at, 22.9.2015)

  • Nicht nur der Nährwert, auch der Heilwert des Honigs spielt für Bienen eine wichtige Rolle.
    foto: reuters/lisi niesner

    Nicht nur der Nährwert, auch der Heilwert des Honigs spielt für Bienen eine wichtige Rolle.

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