Eine Unbequeme in der SPÖ tritt zurück

18. September 2014, 12:56
22 Postings

Legt mit Jahresende oö. SPÖ-Landesfrauenvorsitz nieder - Seit über 20 Jahren in Partei aktiv

Linz - Mit Sonja Ablinger verlässt eine, die sich nicht scheute anzuecken, die politische Bühne. Die 48-Jährige, deren Laufbahn vor über 20 Jahren in der Sozialistischen Jugend begann, hat am Donnerstag ihren Rücktritt bekannt gegeben. Mit Jahresende geht sie als oberösterreichische SP-Landesfrauenvorsitzende. Im Nationalrat saß sie von 1996 bis 1999 sowie von 2007 bis 2013, zuletzt als Kultursprecherin.

Von der Zukunftshoffnung...

Galt die in Linz lebende Ablinger einst als Zukunftshoffnung der Partei, handelte sie sich über die Jahre den Ruf einer Unbequemen ein. Obwohl sie den SPÖ-Frauen in OÖ vorsteht, hat sie derzeit weder im Nationalrat noch im Landtag ein Mandat inne. Dass sie 2012 gegen den EU-Fiskalpakt gestimmt hat, brachte der engagierten Politikerin innerparteilich Kritik ein. Auch dem Fremdenrechtspaket 2011 hatte die laut eigenen Aussagen als "Kreisky-Kind" Aufgewachsene im Parlament nicht zustimmen wollen.

...zur Unbequemen

Nach der Nationalratswahl 2013 hatte Ablinger den Antrag auf einen Sonder-Parteitag gestellt. Die Situation erfordere einen Diskurs im höchsten Gremium der Partei, argumentierte sie. Sie erhielt Unterstützung von den Jugendorganisationen und der Landespartei, das Vorhaben blitzte aber bei Kanzler Werner Faymann ab.

Derzeit sorgt Ablinger mit ihrem vehementen Eintreten für die Frauenquote in ihrer Partei für Aufruhr. Bei der Nationalratswahl 2013 stand sie zwar auf einem aussichtsreichen Listenplatz, schaffte es dann aber doch nicht ins Parlament. Als nach dem Tod von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ein Sitz frei wurde, ging sie wieder leer aus. Stattdessen kam der Gewerkschafter Walter Schopf ins Hohe Haus. Die Parteispitze berief sich auf die Wahllisten, Ablinger und die SPÖ-Frauen auf die im Partei-Statut verankerte Frauenquote. Von Johanna Dohnal habe sie gelernt, dass Frauenfragen gesellschaftliche Grundfragen seien, sagte Ablinger in einem Interview. Die Achtung der Quote sei eine "demokratiepolitische Frage".

Lehrerin für Englisch und Geschichte

Die gebürtige Welserin ist ausgebildete Hauptschullehrerin für Englisch und Geschichte und unterrichtet an einer Linzer Neuen Mittelschule. Darüber hinaus ist sie seit mehr als 15 Jahren Vorsitzende des Gewaltschutzzentrums in Oberösterreich. Ihre politische Laufbahn begann sie in der Sozialistischen Jugend, deren Bundessekretärin sie von 1991 bis 1992 war, danach gehörte sie bis 2004 dem Bezirksparteivorstand der SPÖ Linz an. Seit 1992 ist Ablinger Mitglied des Landesfrauenvorstandes, seit 2005 Landesfrauenvorsitzende. (APA, 18.09.2014)

  • War schon als Nationalrätin nicht immer auf einer Wellenlänge mit ihrer Partei: Sonja Ablinger
    foto: apa/robert jaeger

    War schon als Nationalrätin nicht immer auf einer Wellenlänge mit ihrer Partei: Sonja Ablinger

  • Bei der Abstimmung über das Fremdenrechtspaket verlässt sie im April 2011 das Plenum des Parlaments.
    foto: apa/robert jaeger

    Bei der Abstimmung über das Fremdenrechtspaket verlässt sie im April 2011 das Plenum des Parlaments.

  • Innerparteilich hat ihr das nicht gut getan. Und umgekehrt: Der SPÖ bescherte das Übergehen von Ablinger jetzt eine Quoten-Debatte.
    foto: apa/roland schlager

    Innerparteilich hat ihr das nicht gut getan. Und umgekehrt: Der SPÖ bescherte das Übergehen von Ablinger jetzt eine Quoten-Debatte.

  • Am Donnerstag kündigte Ablinger ihren Rückzug als oö. Frauenvorsitzende mit Ende des Jahres an.
    foto: apa/rubra

    Am Donnerstag kündigte Ablinger ihren Rückzug als oö. Frauenvorsitzende mit Ende des Jahres an.

Share if you care.