FPÖ wirft Bürgermeister nach NS-Sager aus Partei

17. September 2014, 23:24
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Gurker Ortschef Kampl: "Das darf man nicht sagen, dass der zum Teil schlecht war" - Parteiausschluss folgte prompt

Wien/Klagenfurt - Die Kärntner FPÖ hat Mittwochabend auf Aussagen des freiheitlichen Bürgemeisters von Gurk, Siegfried Kampl, reagiert und den 78-Jährigen aus der Partei ausgeschlossen, wie die Partei in einer Aussendung mitteilte. In einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" (Online-Ausgabe) hatte Kampl über die Nationalsozialisten erklärt: "Nur von dem, was sie gemacht haben, distanziere ich mich, nicht vom Nationalsozialismus. Das darf man nicht sagen, dass der zum Teil schlecht war." Im Jahr 2015 will er trotzdem wieder bei der Gemeinderatswahl antreten.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zeigte sich erschüttert über die Aussagen Kampls. "Jemand, der mit dem Nationalsozialismus liebäugelt, hat in der FPÖ nichts verloren", begründete Strache den Ausschluss des Bürgermeisters aus der Partei.

Kampl war 2005 als damaliger BZÖ-Politiker als Bundesratspräsident vorgesehen, stolperte aber über seine Haltung zu Wehrmachtsdeserteuren, die er als "zum Teil Kameradenmörder" bezeichnete. Im aktuellen Interview erklärte er nun: "Ich habe nie die Absicht gehabt, jemanden zu beleidigen. Ich habe das damals so gesagt, wie ich es erlebt habe. In welchem Staat gibt es das, dass man Deserteuren 50 Jahre Pension nachzahlt und dann noch eine Auszeichnung verleiht? Ich wollte nur, dass das überprüft wird. Weil solche dabei waren, die eben nicht ausgezeichnet gehören."

Rücktrittsaufforderung an Bürgermeister

Die Sozialistische Jugend zeigte sich empört über Kampls Äußerungen. In einer Aussendung forderte die SJ-Vorsitzende Julia Herr am Mittwochabend: "Ein Bürgermeister, der im Jahr 2014 positive Seiten am Nationalsozialismus findet, muss schleunigst von allen öffentlichen Funktionen zurücktreten."

Die Kärnter Grünen sehen das ähnlich: Kampls Aussagen seien "unvereinbar mit dem Innehaben eines politischen Amtes". Wir Grünen fordern seinen sofortigen Rücktritt," erklärt der Gruppensprecher der Grünen St. Veit, Florian Rossmann. "Dass ein amtierender Bürgermeister dem Gedankengut des Nationalsozialismus derart unkritisch gegenübersteht, darf keiner Gemeinde zugemutet werden."

Der Grüne Bezirkssprecher Klaus Knafl unterstreicht die Forderung: "Sein Rücktritt vom Bürgermeisteramt ist längst überfällig."

Auf Anfrage von derStandard.at wollte sich Kampl am Donnerstag nicht zu der Rücktrittsaufforderung äußern. Außerdem wolle er derzeit keine weiteren Interviews mehr geben. Im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung" hatte er jedenfalls angekündigt, sich 2015 erneut der Wahl stellen zu wollen, zumal ihn die Partei gebeten habe, "es noch einmal zu machen". Antreten wollte Kampl zu diesem Zeitpunkt "wieder für die FPÖ. Ich bin aus Treue zu Jörg Haider mit zum BZÖ gegangen. Damit war ich aber nie ganz glücklich." (APA, red, 17.9.2014)

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