Schimpansen als Natural Born Killers

21. September 2014, 12:05
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Studie: Kriegsführung ist ein natürlicher Bestandteil der evolutionären Erfolgsstrategie der Menschenaffen

Minneapolis - Von 1974 bis 1978 tobte in Tansania der "Gombe-Schimpansenkrieg": Seit die Primatologin Jane Goodall erstmals von den brutalen Auseinandersetzungen zwischen zwei Schimpansengruppen berichtete, gibt es Diskussionen, ob die ständige Nähe von Menschen das natürliche Verhalten der Tiere verändert haben könnte: Zum einen durch Abholzungen und das Näherrücken von Kulturflächen an die Lebensräume der Schimpansen - zum anderen aber auch dadurch, dass sie nicht nur langfristig beobachtet, sondern immer wieder auch von Forschern gefüttert wurden.

Ein internationales Primatologenteam kommt nun jedoch in "Nature" zu einem anderen Schluss. Für ihre Studie wurden Beobachtungsdaten über 18 Populationen von Schimpansen und vier von Bonobo-Gruppen ausgewertet. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich dabei über fünf Jahrzehnte. Und Aggression mit tödlichen Folgen konnte bei allen Schimpansengruppen - nicht jedoch bei den Bonobos - festgestellt werden, ohne dass sich ein Zusammenhang mit menschlicher Nähe ablesen ließ. Auch Schimpansen, die weit abgelegen von jeder dauerhaften menschlichen Präsenz lebten, töteten Artgenossen.

Studien-Koautor Ian Gilby vom Jane Goodall Institut erklärte, dass tödliche Aggression eindeutig kein abweichendes Verhalten darstelle. Vielmehr sei Kriegsführung als ein natürlicher Bestandteil der evolutionären Erfolgsstrategie von Schimpansen anzusehen: das systematische Ausschalten von Rivalen um natürliche Ressourcen. (jdo, derStandard.at, 21. 9. 2014)

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