Aus dem Leben von österreichischen Weltraumpionieren

20. September 2014, 10:55
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In "Weltraum-Land Österreich" kommen 17 Menschen zu Wort, die Entscheidendes für Raumfahrt und Astronomie geleistet haben

Wien - Auch wenn nicht jeder von ihnen so allgemein geläufig sein mag wie "Austronaut" Franz Viehböck, der einzige Österreicher, der jemals im All war: Österreich hat durchaus eine Anzahl von "Weltraumpionieren" vozuweisen - Menschen, die einen entscheidenden Beitrag zu Raumfahrt und Astronomie geleistet haben. Der frühere Direktor der Kuffner Sternwarte und des Planetariums in Wien, Peter Habison, hat für das Buch "Weltraum-Land Österreich - Pioniere der Raumfahrt erzählen" 17 solcher Menschen interviewt.

Dazu zählen frühe Pioniere wie "Weltraum-Papst" Willibald Riedler oder Johannes Ortner, der 1962 einer der ersten Mitarbeiter (Personalnummer 27) der European Space Research Organisation (ESRO) wurde, aus der vor genau 40 Jahren (1974) die Europäische Weltraumorganisation ESA hervorging. Oder Werner Weiss und Otto Koudelka, die "Väter" der beiden österreichischen Satelliten im Orbit, sowie Schlüsselakteure der Politik wie der langjährige Leiter der Austrian Space Agency (ASA), Klaus Pseiner, oder Ingolf Schädler vom Infrastrukturministerium. Und natürlich Franz Viehböck.

Mit dem Fahrrad zum Polarkreis

Ein stiller Held dieser Geschichte kommt nicht selbst zu Wort, über ihn berichtet Riedler in seinen Erinnerungen: der Nachrichtentechniker Riedler hatte nach seiner Tätigkeit am geophysikalischen Observatorium in Kiruna im Norden Schwedens hervorragende Kontakte nach Skandinavien. Dies eröffnete 1969 die Möglichkeit, erstmals kostenlos ein wissenschaftliches Gerät aus Österreich mit einer norwegischen Rakete mitfliegen zu lassen.

Doch Gelder dafür flossen spärlich, Reisekosten gab es gar keine. So nahm Riedlers Assistent Martin Friedrich kurzerhand das Messgerät ins Gepäck und legte einen großen Teil der Strecke nach Kiruna, das nördlich des Polarkreises liegt und wo das Gerät getestet und kalibriert werden sollte, mit dem Fahrrad zurück.

Wichtige Stationen

Während österreichische Weltraumtechnik noch einspurig unterwegs war, spielte das Land auf dem diplomatischen Parkett schon auf Augenhöhe mit den ganz Großen: Das neutrale Österreich hatte für Jahrzehnte den Vorsitz im 1958 gegründeten UN-Committee for the Peaceful Uses of Outer Space und vermittelte in der Zeit des Kalten Krieges zwischen den Supermächten: "...es gab in New York gleichsam drei Weltraummächte, die eine war die Sowjetunion, die andere die USA und die dritte war Österreich", so Ortner.

Auf dem Weg von diesen ersten Aktivitäten zum "Weltraum-Land" Österreich liegen Pionierleistungen und Höhepunkte wie das Weltraumfenster für das "Spacelab", der Beitritt zur ESA 1987, das Projekt "Austromir" 1991 mit dem ersten und bisher einzigen Raumflug eines Österreichers, der Start der ersten österreichischen Satelliten im Vorjahr und zahlreiche Beteiligungen an russischen, amerikanischen und europäischen Missionen wie aktuell die Kometensonde "Rosetta".

In den Berichten wird dieser Weg mit vielen Anekdoten gewürzt geschildert. Diese zeigen, dass Österreich zwar nicht gerade eine Weltraumgroßmacht ist - aber eben doch seinen Teil beigetragen hat. Immerhin haben wir auch ein Weltraumprogramm, ein Weltraumgesetz und gewissermaßen sogar ein Weltraumministerium: Dessen Agenden liegen im Infrastrukturressort. (APA/red, derStandard.at, 20. 9. 2014)

  • Peter Habison: "Weltraum-Land Österreich. Pioniere der Raumfahrt erzählen"; Seifert Verlag; 232 S.; 29,90 Euro
    coverfoto: seifert verlag

    Peter Habison: "Weltraum-Land Österreich. Pioniere der Raumfahrt erzählen"; Seifert Verlag; 232 S.; 29,90 Euro

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