Mauthausen: Schließtag in Gedenkstätte nun fix

17. September 2014, 17:09
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Auch ein neuer pädagogischer Leiter wird gesucht

Wien/Mauthausen - Immer wieder gab es finanzielle Probleme bei der Gedenkstätte Mauthausen, die auch zu ungeplanten Schließungen geführt haben. Seit kurzem gibt es nun den angekündigten fixen Schließtag pro Woche: Montags bleibt die Gedenkstätte geschlossen. Finanzielle Gründe will Barbara Glück, Leiterin der Abteilung Gedenkstätten und Fürsorge im Innenministerium, aber nicht dafür verantwortlich machen. Das orientiere sich an anderen Museen und sei nötig, um die Ausstellungsräume zu warten.

Das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Glück herumschlagen muss. Der Gedenkstätte ist auch der pädagogische Leiter abhandengekommen. Interimistisch hat Christian Angerer übernommen, der schon zuvor am pädagogischen Konzept mitgearbeitet hatte. Derzeit laufen Hearings mit den Bewerbern. Wie viele es sind und wann der Prozess abgeschlossen sein soll, will Glück nicht sagen. Nur so viel: Auch die Ausschreibung habe nichts mit Budgetkürzungen zu tun. Im Gegenteil: Der pädagogische Bereich sei massiv ausgebaut worden, es habe keine Einsparungen gegeben, sagt Glück im STANDARD-Gespräch. Ein Wechsel bei der Leitung sei normal: Bei einer großen Anzahl an Mitarbeitern gebe es häufig neue Leute - wie in einem Unternehmen.

Klagen über Geldmangel

Christian Angerer sieht das anders. Um das vielgelobte pädagogische Konzept umsetzen zu können, brauche es Vermittler und ein Team, das diese ausbildet. "Natürlich wäre mehr Geld wünschenswert."

Über die Unterdotierung klagt auch Yariv Lapid, der von 2007 bis 2013 die pädagogische Vermittlung geleitet hat. "Trotz der breiten internationalen Anerkennung und trotz der Reden an Gedenktagen, die ständig die große Verantwortung Österreichs thematisieren, existiert die Pädagogik in Mauthausen nach wie vor auf einer sehr wackeligen Basis", hält er fest. Man brauche sich nur die finanzielle Ausstattung vergleichbarer Institutionen ansehen.

Es gebe zwar "einen Kreis sehr engagierter Leute, die sich für eine echte Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit einsetzen. Doch das sei bloß ein "Tropfen auf den heißen Stein". Was fehlt, sei eine "klare staatliche Verpflichtung". Lapid fordert daher, dass das Parlament diese Verantwortung übernimmt und eine internationale Expertengruppe beruft, die Vorschläge für die Zukunft der Gedenkstätte Mauthausen entwickeln soll. (mte, pm, STANDARD, 18.9.2014))

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