Mehr Schutz für nackte Buben und Mädchen in Deutschland

17. September 2014, 17:09
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Berlin wertet "Naturistenaufnahmen" und Posingfotos künftig als Kinderpornografie

Berlin - Die deutsche Regierung hat eine Verschärfung des Sexualstrafrechts beschlossen, um Kinderpornografie künftig besser bekämpfen zu können. So beträgt die Höchststrafe für den Besitz von Kinderpornos drei statt bisher zwei Jahre, außerdem werden die Verjährungsfristen verlängert. Sie beginnen künftig erst mit Vollendung des 30. Lebensjahres des Opfers. Damit können alle schweren Delikte nicht mehr vor Vollendung des 50. Lebensjahres des Opfers verjähren.

"Opfer von Sexualtaten sind oftmals stark traumatisiert und benötigen Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten und sich auch mit der Frage der strafrechtlichen Anklage der Tat auseinandersetzen zu können", sagt der deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD). Bisher begann die Verjährungsfrist in Deutschland schon nach dem 21. Lebensjahr des Opfers.

Ein zentraler Punkt der Reform ist die Neubewertung von Fotos nackter Kinder. Künftig gelten auch vermeintlich harmlose Fotos von unbekleideten Buben und Mädchen als Pornografie, wenn die Bilder gegen den Willen der Kinder und ohne Einverständnis der Eltern entstanden sind.

Gesetzeslücke geschlossen

Unter Kinder- und Jugendpornografie fallen dann auch Aufnahmen in "unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung" - sogenannte Posingbilder. Hier gab es bisher eine Gesetzeslücke, denn strafbar waren Besitz und Verbreitung solcher Fotos nur, wenn die Kinder darauf sexuelle Handlungen ausführen. Künftig reicht es, wenn sie nackt posieren.

"Wir haben festgestellt, dass es einen Markt gibt, der in den letzten Jahren entstanden ist, dass solche Bilder, die nicht als Kinderpornografie klassifiziert werden, trotzdem in Pädophilennetzwerken vertrieben werden", sagt Maas. Er betont aber, dass harmlose Urlaubsfotos, die Eltern von ihren Kindern am Strand machen, nicht kriminalisiert werden. Maas warnt auch davor, solche Fotos leichtfertig über soziale Netzwerke zu verbreiten.

Diese Maßnahmen sind eine Reaktion auf den "Fall Edathy". Auf dem Computer des ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy waren Anfang des Jahres Bilder von unbekleideten Buben gefunden worden. Edathy hatte danach erklärt, dies sei nicht strafbar, denn er habe nur Fotos bestellt oder angesehen, bei denen kein Fall von Kinderpornografie vorliege. (bau, DER STANDARD, 18.9.2014)

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