Köpfchen, bedeck dich!

Kolumne17. September 2014, 17:27
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Eierwärmer auf dem Kopf sind von gestern, derzeit gilt: Hutkrempen rahmen das Gesicht am schönsten

Zugegeben, Emmanuelle Alt, die Chefredakteurin der französischen "Vogue", kam mit ihm schon vor eineinhalb Jahren um die Ecke. Die Rede ist vom Fedora, einem schwarzen schlichten Filzhut mit Knick in der Mitte. Der sah auf ihrem halblangen Haarschopf natürlich doppelt gut aus. Weil er erstens ein echtes Qualitätsprodukt aus der Werkstätte des Hutmachers Maison Michel war. Und zweitens, weil Madame Chefredactrice alles so beiläufig anzieht, wie das von einer modeversessenen dünnen Französin mit braunem Schnittlauchhaar erwartet wird.

Und jetzt? Wollen alle so aussehen. Das Beanie, die Kopfbedeckung der vergangenen Saisonen, bekommt damit auf der Straße ordentlich Konkurrenz. Die Trägerinnen haben nämlich kapiert: Im besten Fall strahlen die breiten Hutkrempen auf den Bildern wie Heiligenscheine um die schönen Gesichter. Da können die Eierwärmer auf dem Kopf natürlich einpacken. Denn die machen den Kopf darunter zum ... ach, lassen wir das.

Dabei waren Hüte ja in Filmen, die in den 30er- und 40er-Jahren spielen, eher etwas für Männer. Und zwar solche, die nichts anbrennen ließen. Siehe Warren Beatty in "Bonnie und Clyde" oder Humphrey Bogart in "Casablanca". Kaum verwunderlich, dass also manche Männer den Fedora gerne mit aufgeknöpften Hemden und blanken Brüsten kombinierten. Siehe Harrison Ford im "Indiana Jones"-Machwerk. Oder Pete Doherty, der sich neben Kate Moss und auf der Bühne stets das obere Drittel seiner Hühnerbrust blank zog. Echte Kerle verdecken vielleicht den Kopf, haben aber Körper. So oder so ähnlich wohl die Message.

Während der zweijährigen Liaison vermied Moss übrigens tunlichst, neben Doherty mit Hut fotografiert zu werden. Dass zwei Hüte tatsächlich schwer zueinanderfinden, wissen wir spätestens seit "Casablanca". Vielleicht haben Trennungen deshalb ja ab und an ihr Gutes. Nach Doherty hatte Moss beispielsweise kein Problem mehr mit Kopfbedeckungen. Sie strahlte 2012 vom Cover der Sommerausgabe der "Harper's Bazaar" - mit hellem Fedora vor türkisfarbenem Meeresrauschen. Und glaubt man den aktuellen Bildern, scheinen Pharrell Williams' lustige Huteinlagen in diesem Jahr den Umgang mit dem Fedora entspannt zu haben. Lederjacken und aufgekrempelte Blazer, zerfetzte Jeanshosen: Irgendwie geht alles zu dem Hut am Kopf. Dazu müssen noch nicht einmal die Hemden aufgerissen werden. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 17.9.2014)

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  • Passionierter Hutträger Pete Doherty.

    Passionierter Hutträger Pete Doherty.

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