Nach Plagiatsvorwurf: Brunnsteiner geht gegen Mannhart juristisch vor

17. September 2014, 12:46
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Schweizer Schriftsteller habe Motive und Figuren aus Reportageband des österreichischen Journalisten ungefragt übernommen

Zürich/Wien - Der österreichische Journalist Thomas Brunnsteiner geht gegen den Schweizer Autor Urs Mannhart und den Secession-Verlag juristisch vor. Brunnsteiner wirft Mannhart geistigen Diebstahl in seinem im Frühjahr erschienenen Roman "Bergsteigen im Flachland" vor. Mannhart habe Motive und Figuren aus Brunnsteiners Reportageband "Bis ins Eismeer" übernommen, ohne dies auszuweisen.

Tatsächlich streitet Mannhart nicht ab, von Brunnsteiners zwischen 2000 und 2006 in diversen österreichischen, deutschen und Schweizer Medien veröffentlichten und 2007 im Band "Bis ins Eismeer" erschienenen Reportagen inspiriert worden zu sein. Wie er u.a. der "NZZ" erklärte, sei der Roman als explizite Hommage an den seit 2001 in Lappland lebenden Reporter und seine Reportagekunst gedacht gewesen. Er bedauere es jedenfalls, die Quelle für bestimmte Teile seines Romans nicht deutlich offengelegt und Brunnsteiner nicht um dessen Einverständnis gebeten zu haben. Stattdessen wird der Österreicher lediglich in der pauschalen Danksagung erwähnt. Der Secession-Verlag spricht von einem "kollegialen Versäumnis".

Einigung fehlgeschlagen

Nachdem eine angestrebte Einigung zwischen dem Verlag und Brunnsteiner fehlschlug, hat dieser nun beim Zürcher Handelsgericht ein Gesuch um vorsorgliche Maßnahmen eingereicht, wie verschiedene Schweizer Medien berichteten. Konkret fordert Brunnsteiner gemäß Verlagsangaben einen Werbe- und Auslieferungsstopp für den streitbaren Roman, zudem soll Mannhart keine Lesungen mehr zu "Bergsteigen im Flachland" veranstalten dürfen.

In den nächsten Wochen entscheidet das Zürcher Handelsgericht, das sich zum laufenden Verfahren nicht äußert, ob es dem Gesuch um die Maßnahmen stattgibt und es zu einer Klage seitens des Österreichers kommen kann. Sollte das der Fall sein, sehe man einem Verfahren optimistisch entgegen, so Joachim von Zepelin vom Secession-Verlag.

Anfänglich hatte sich der Verlag mit dem Autor einigen wollen und ihm angeboten, der neuen Auflage des Buches ein Vorwort beizulegen, in dem explizit erwähnt wird, dass Mannhart Motive und Figuren aus Brunnsteiners Reportagen übernommen hat. Brunnsteiner lehnte ab und forderte vom Verlag unter anderem eine Entschädigung von 30.000 Franken (24.800 Euro). Diese bezeichnet von Zepelin als überzogen. (APA, 17.09.2014)

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