Informatiker ohne Grenzen: Die Welt nach und nach verändern

19. September 2014, 14:04
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Eine Gruppe italienischer IT-Manager entwickelt Projekte in der ganzen Welt, um die digitale Spaltung zu überwinden. Vom italienischen Scampìa bis Madagaskar sind die Schlüsselbegriffe Entwicklung und Teilhabe

"Die Internationale Gemeinschaft muss die notwendigen Schritte setzen, damit die ärmsten Länder der Welt ungehinderten Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien haben. Nur so wird digitale Demokratie herrschen." Mit diesen Worten hat UN-Generalsekretär Kofi Annan im Jahr 2005 sein Rezept für globales Wachstum vorgestellt. Zehn Jahre später haben viele diese Ideen aufgegriffen. Mark Zuckerberg hat 60 Millionen US$ (knapp 46 Millionen €) in Afrika investiert, um das Land mithilfe von Drohnen zu vernetzen. Zuvor hat er enge Verbindungen zu Nokia, Ericsson, Qualcomm und Samsung geknüpft, um die Verbreitung des Internet in Afrika zu beschleunigen. Der digitale Wendepunkt kann aber nicht ausschließlich mithilfe der Giganten erreicht werden – ganz im Gegenteil.

Jahrelang hat eine Gruppe Unternehmer aus dem Veneto daran gearbeitet, die digitale Spaltung zu überwinden. Anfang 2006 haben sie ein Projekt namens Informatici senza frontiere (IT ohne Grenzen, ISF) ins Leben gerufen, eine Non-profit-Organisation, deren Hauptziel es ist, Informationstechnologie und -werkzeuge dazu zu verwenden, "praktische Hilfe jenen zur Verfügung zu stellen, die in Armut und Ausgrenzung leben", wie Präsident Dino Maurizio es ausdrückt.

Die Organisation, die heute rund 300 Mitglieder hat, arbeitet in mehreren Bereichen: Projekte in Entwicklungsländern, Initiativen in Gefängnissen in ganz Italien und Workshops in der von Kriminalität heimgesuchten Vorstadt Scampìa nördlich von Neapel. Die Schlüsselbegriffe sind Inklusion und Entwicklung. ISFs Kronjuwel ist ein Projekt in Madagascar im Dorf Bemaneviky. Dort sind die Salesianer tätig, ein karitativer Orden. Missionar vor Ort ist Don Giovanni Corselli. Die Stromversorgung ist wackelig, Internet-Anbindung ein frommer Wunsch und die Straßen sind tickende Zeitbomben. Aber jetzt wurde, dank ISF, eine Computerklasse geschaffen: 15 Laptops, ein Projektor, ein Multifunktionsdrucker und ein italienischer Lehrer, Nico Tordini, der neun Tage lang die Mannschaft geschult hat.

Um das Geld aufzustellen, hat sich die Gruppe mit Monclick verbündet, einem E-Kommerz-Unternehmen, das auf den Verkauf von Computerprodukten und Elektronik spezialisiert ist. "Eine Zusammenarbeit von großem symbolischen aber auch praktischem Wert", sagt die ISF, die in letzter Zeit immer mehr Kooperationen eingegangen ist. Gemeinsam mit der NGO Futuro Down leiten ISF-Freiwillige in der Provinz Benevent Kurse für behinderte Kinder, um ihnen zu zeigen, wie sie Computer am besten verwenden können: von der E-Mail bis Apps wird alles live in einem Blog erklärt. Dank eines anderen Projekts, Bambini al PC (Kinder am PC), sind kleine Spitalspatienten bei längeren Krankenhaus-Aufenthalten imstande, mit ihren Familien und Freunden zu kommunizieren, Spiele zu spielen und dem Schulunterricht zu folgen.

ISF arbeitet oft in Gegenden, wo schon andere Organisationen arbeiten. "Da passiert es oft, dass uns NGOs wegen einer Zusammenarbeit kontaktieren", sagt Dino Maurizio. Er ist davon überzeugt, dass die Aktivitäten der ISF erfolgreich im Ausland kopiert werden könnten. Der erste Schritt dazu wurde im März 2013 gesetzt, als die Vereinten Nationen Vertreter von NGOs einluden, ihre Projekte in Genf zu präsentieren. Vor drei Monaten war die App Strillone/Zeitungsjunge, die von ISF geschaffen wurde, damit Blinde und Sehbehinderte Zeitungsartikel hören können, im Finale des World Summit on the Information Society der Vereinten Nationen.

"Heute ist das Internet ein bevorzugtes Portal für ziviles und soziales Engagement", sagt Joseph Kahane, Leiter des Forschungsteams der US-amerikanischen MacArthur Foundation. ISF hat ihn beim Wort genommen. Die jüngste Idee "Offene Spitäler" wurde gemeinsam mit Studenten der Universität Bari entwickelt. Damit können afrikanische Spitäler ihre Krankenakten elektronisch verwalten. Das Programm, das viel zu teuer gewesen wäre, wenn es nicht in die Hände der Cyber-Aktivisten gelangt wäre, wird nun gemeinsam in Einrichtungen in Kenia, Kongo und Benin verwendet. (Giuseppe Bottero, La Stampa, Italien)

Übersetzung: Gertraud Schneider

  • Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien auch für ärmere Länder.
    foto: la stampa

    Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien auch für ärmere Länder.

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