"Wir geben den Leuten Kontrolle": Netflix ist in Österreich gestartet

17. September 2014, 12:09
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Online-Videodienst bietet drei Abo-Varianten - Empfehlungssystem sei der "Motor darunter" - Fehlende Erstausstrahlungsrechte von "House of Cards" für Hastings "auf gewisse Weise tragisch"

Wien - Geht es nach den Betreibern, so hat die "Zukunft des Fernsehens" nun auch Österreich erreicht. Seit dem heutigen Mittwoch ist der Online-Videodienst Netflix hierzulande verfügbar. Ab 7,99 Euro monatlich kann das Angebot des US-Unternehmens genutzt werden. "Wir geben den Leuten die Kontrolle", meinte CEO Reed Hastings bei der Präsentation von Netflix in Wien gegenüber der APA.

Damit ist das Grundprinzip des Dienstes bereits umrissen: Der Nutzer wählt aus einer Vielzahl an Serien und Filmen oder dem umfangreichen Kinderprogramm aus und kann die Formate auf allen erdenklichen Devices streamen. Derzeit gibt es dafür drei verschiedene, monatliche Abo-Varianten, die man jederzeit kündigen kann: Von 7,99 Euro für einen Stream in SD über 8,99 Euro für zwei parallele Streams in HD bis zu 11,99 Euro für vier parallele Streams und Zugang zu Inhalten in Ultra HD. Zum Start gibt es auch die Möglichkeit, Netflix einen Monat lang kostenlos auszuprobieren.

Qualität entscheide

Angesichts anderer Marktteilnehmer wie Maxdome, Snap by Sky oder dem für das Frühjahr angekündigten ORF-Angebot Flimmit zeigte sich Hastings unbeeindruckt. "Wir sind bereits solange im Streaming-Geschäft und das funktioniert sehr gut." Nicht die größte Auswahl, sondern die Qualität der Unterhaltung entscheide. Dass er die Erstausstrahlungsrechte für die Erfolgsserie "House of Cards" im deutschsprachigen Raum an Sky abtreten musste, wurmt Hastings erst auf konkrete Nachfrage: "Auf gewisse Weise ist es tragisch." Dass die entsprechenden Rechte wieder zu Netflix zurückwandern, glaubt er indes nicht.

Dennoch müssen Nutzer auf Kevin Spacey als durchtriebenen Politiker nicht verzichten, sind doch die ersten beiden Staffeln der Serie im Portfolio des Streaming-Dienstes, ebenso wie die Eigenproduktion "Orange Is The New Black", die Chief Content Officer Ted Sarandos besonders hervorhob. "Es gibt einen weltweiten Trend, dass Filmemacher wie Schauspieler von Serien angezogen werden. Hier gibt es noch Raum, um gute Geschichten zu erzählen."

Neben Serien und Hollywood-Filmen umfasst das Angebot in Österreich auch Filme wie "Cache" von Michael Haneke oder "Whores' Glory" von Michael Glawogger. Ob weitere heimische Produktionen angekauft werden, könne man derzeit noch nicht sagen, wie Sarandos zu bedenken gab. Gleiches gelte für Eigenproduktionen, wobei eine deutschsprachige Serie bereits in Aussicht gestellt wurde. Letztlich entscheide der Geschmack der Nutzer: "Wir geben die Programmierung in ihre Hände." Erkennt das System, dass derartige Produktionen funktionieren, werde man hier weiter investieren.

Basierend auf Algorithmen

Womit man bei einem wesentlichen Asset von Netflix angekommen wäre: dem Empfehlungssystem. "Je mehr Sie auf Netflix schauen, umso besser kennen wir Ihren Geschmack und können Ihnen Dinge vorschlagen", meinte Hastings dazu. Prinzipiell gehe es darum, das Interesse des Nutzers innerhalb kürzester Zeit zu wecken, wie Produktentwickler Neil Hunt ergänzte. "Dafür haben wir knapp zwei Minuten, wenn Sie den Dienst starten." Gelingen soll dies auch durch ein "einfaches und sauberes Interface", so Hunt. Und der "Motor darunter" basiere auf Algorithmen und der Auswahl des jeweiligen Nutzers. "Ein Klick kann schon einen großen Unterschied ausmachen."

Daraus entstünden schließlich "50 Mio. verschiedene Netflix-Kanäle für 50 Mio. verschiedene Nutzer", bezog sich Hunt auf die derzeitige Abozahl. "Interessant dabei ist, dass demografische Daten wie Alter oder Geschlecht uns kaum nützen." Stattdessen gebe es derzeit einen Testbetrieb, der die Tageszeit der Nutzung berücksichtigt. "Das wird viel entscheidender sein", untermauerte Hunt.

Kein Offline-Modus angedacht

Verfügbar sind die meisten Titel sowohl in Original- wie synchronisierter Version sowie mit deutschen und englischen Untertiteln. Verzichten muss man nur auf einen Offline-Modus, der auch nicht angedacht ist. "Das wäre aus unserer Sicht zu kompliziert", erteilte Hastings dem eine Abfuhr. "Man muss eine Datei herunterladen, sie speichern und irgendwann auch wieder loswerden. Also geht es bei Netflix nur um das Klicken und Ansehen, genauso einfach wie Fernsehen."

Auch Sport und Nachrichten werden sich nicht in das Netflix-Angebot verirren, wie der CEO betonte. "Das sind ganz andere Geschäfte und sehr teuer. Wir machen auch andere Dinge nicht, wie beispielsweise Musik- oder Lehrvideos. Unser Fokus ermöglicht uns dafür, Filme und Serien auf einem hohen Level anzubieten." Künftig werde sich die Fernsehlandschaft ohnedies stärker diversifizieren und ins Web verlagern, glaubt Hastings an das Ende des linearen TVs in 20 Jahren. "Und ich hoffe, dass wir dann immer noch innovativ unterwegs sein werden und die Unterhaltung vorantreiben." Als mittelfristiges Ziel will er Netflix in jedem dritten Haushalt in Österreich und Deutschland platzieren. (APA, 17.9.2014)

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