Die Dorf-Ambulanz: Wie diese Einrichtung das ländliche Uganda verändert

19. September 2014, 14:51
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Sollte man im ländlichen Uganda in den Wehen liegen, sind die Überlebenschancen für Mutter und Kind bei Komplikationen äußerst gering. Gesundheitszentren und Spitäler sind zu weit entfernt und schlecht erreichbar. Genau aus diesem Grund ist die Dorf-Ambulanz ein Segen für viele Frauen und die ganze Dorfgemeinschaft

Die Idee einer fahrbaren Dorf-Ambulanz in Uganda entstand durch ungewöhnliche Gegebenheiten. Im Alter von sieben Jahren wurde Christopher Ategekas zu Hause von einer Tragödie heimgesucht. Beide Elternteile sind an dem HI-Virus gestorben und der Junge musste sich nun alleine um seine vier Geschwister kümmern.

Ein Jahr nach dem Tod seiner Eltern ist sein Bruder aus unbekannten Gründen auf dem Weg zu einem weit entfernten Krankenhaus gestorben. Zu einem Zeitpunkt, als die Hoffnung des Jungen endgültig zu verschwinden schien, hat sich Carol Adams, eine Amerikanerin um den Jungen als Vormund angenommen. Sie ist durch ihre lokal ansässige Organisation, Youth Encouragement Services (YES), bekannt. Adams hat Ategeka während der Grundschul- und Gymnasiumzeit unterstützt und erinnert sich, wie er den ganzen Weg vom Zuhause seiner Großmutter bis zur Schule in Kagote laufen musste.

"Wir haben ihm ein Fahrrad besorgt, um ihm den Schulweg zu erleichtern. Aber das war leider auch nicht Lösung. Er musste im Haus seines Großvaters in Fort Portal bleiben, damit er es näher zu Schule hatte", erzählt Adams.

Nach seinem Schulabschluss nutzte Adams ihr Netzwerk und hat Ategeka in einer Pflegefamilie in den USA untergebracht. Dort konnte er erfolgreich einen Master-Abschluss auf der University of California erwerben.

In 2011 kehrte Ategeka nach Uganda zurück und erinnerte sich immer wieder an seine Kindheit und das Fehlen von öffentlichen Verkehrsmitteln. "Ich musste Meilen bis nach Ruteete laufen, um in die Schule gehen zu können. Das Fahrrad, das ich von Carol Adams erhalten habe, hat für mich vieles erleichtert. In wenigen Minuten war ich in der Schule und musste nicht mehr eine lange Strecke zu Fuß auf mich nehmen", schildert Ategeka. In seinen Augen eine kleine und kostengünstige Veränderung, die nicht nur die Lebensgrundlage für ihn erheblich verbessert hat, sondern auch Leben retten kann.

"Als ich CA Bikes, meine gemeinnützige Organisation, gegründet habe, haben wir mit der Herstellung von Fahrrädern und Rollstühlen begonnen. Eine Notwendigkeit, die ich als unverzichtbar gesehen habe," beschreibt Ategeka den Start seiner Initiative. Dadurch konnte er mehr und mehr Erfahrung sammeln und baute seine Idee mit dem Konzept einer "Fahrrad-Ambulanz" aus.

"Das Design war jedoch eine Herausforderung. Wir mussten zuerst zwölf verschiedene Konstruktionen entwickeln und testen, bis wir endlich das eine Fahrrad produziert haben, das auch für eine Ambulanz nützlich war", beschreibt er die Anfangsstadien.

Das Grundkonzept für die Konstruktion basierte auf dem Design von Darly Funk (59), der amerikanische Erfinder der Dorf-Ambulanz. Er stellte diese in Zambia her und vertrieb sie in fünf verschiedenen Ländern Afrikas.

Ategeka engagierte ein kleines Team aus lokalen Handwerkern und verwendete Ersatzteile von vor Ort, um die fahrbare Ambulanz zu bauen und an die anliegenden Bezirke und Dörfer zu vertreiben.

"Innerhalb von drei Jahren haben wir 120 Ambulanzen ausgeliefert, die von mehr als 10.000 Menschen in den Dörfern genutzt werden", erzählt Ategeka.

Es war nicht das erste Mal, dass die Dorf-Ambulanz als Transport- und Servicelösung für Gesundheitsversorgung in den Dörfern eingesetzt wurde. Begonnen hat alles mit der Organisation Zambikes 2007 in Zambia. Die Organisation hat eine individuelle Transportlösung in Afrika angeboten und sich als Hauptziel gesetzt, leistbare, qualitativ hochwertige Fahrräder für die rauen Straßen Afrikas anzubieten. 2008 wurde die erste Dorf-Ambulanz ins Leben gerufen. Seitdem wurden über 1.700 fahrbare Ambulanzen an Dörfer in fünf verschiedenen Ländern Afrikas ausgeliefert.

2012 haben sich die Designer und Hersteller von Zambikes zu einer Expansion außerhalb Zambias entschlossen. Uganda sollte die erste Destination für die Geschäftserweiterung sein. "Nach intensivem Austausch mit lokalen Dorfverantwortlichen, Medizinern, Entwicklungshelfern und vielen anderen, war es sofort ersichtlich, dass genau hier ein hoher Bedarf an lokaler Medizinversorgung und Transportlösungen besteht", berichtet Jared White, Direktor von Pulse.

Zambikes gründete sofort das Unternehmen Pulse in Kampala, Uganda, und startete mit der Produktion der fahrbaren Ambulanzen, genau wie sie auch Ategeka baute.

Als Pulse ebenfalls den Markt in Uganda bediente, hat Ategeka die Produktion seiner Fahrräder eingestellt und anstelle dessen sich – mit Hilfe von Spendengeldern - dem Ankauf von fahrbaren Dorf-Ambulanzen gewidmet. Diese wurden umsonst von ihm an die vielen Dörfer im Land verteilt.

"Unser Beitrag in der kostenlosen Vertriebskette war die Produktion der Fahrräder, welche an Ategeka zu einem Selbstkostenpreis verkauft wurden. Er hat sich dann um die Verteilung an die Dörfer gekümmert", erklärt White die Unterstützung von Pulse für Ategekas Initiative.

Wie ist die aktuelle Situation?

"Zurzeit ist die Dorf-Ambulanz in 29 Bezirken im ganzen Land im Einsatz und wir haben 177 Dorf-Ambulanzen ausgeliefert", erzählt White. Dank der Dorf-Ambulanz konnten die palliative Betreuung, welche noch in 2011 laut WHO Statistiken unter 10 Prozent lag, deutlich verbessert werden.

"Ich war so begeistert, als ich die Dorf-Ambulanz zum ersten Mal benutzte. In der Vergangenheit musste ich krank zu Hause bleiben, weil es keine Möglichkeit gegeben hat, zu einem Gesundheitszentrum für medizinische Betreuung zu fahren. Durch diese Transportmöglichkeit hat sich das verändert. Jetzt kann ich leicht das Zentrum erreichen und werde versorgt", schildert die 33-jährige Annet Rukundo aus dem Kyangwali Flüchtlingsdorf im westlichen Uganda.

Ategeka ist davon überzeugt, dass die Verbesserung des Gesundheitssystems in Uganda abhängig von Erfindungen ist und blickt mit seiner Organisation CA Bikes bereits in die Zukunft: "Wir entwickeln gerade ein Konzept für eine mobile Klinik. Es wird unsere nächste Erfindung sein, welche wir den Menschen von Uganda sehr bald anbieten wollen." (Didas Kisembo, The Monitor, Uganda)

Übersetzung: Barbara Kociper

  • Die fahrbare Dorf-Ambulanz als Transport- und Servicelösung für die Gesundheitsversorgung in den Dörfern Ugandas.
    foto: the monitor

    Die fahrbare Dorf-Ambulanz als Transport- und Servicelösung für die Gesundheitsversorgung in den Dörfern Ugandas.

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