USA steigen wieder in bemannte Raumfahrt ein

16. September 2014, 23:30
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NASA will Abhängigkeit von Sojus-Kapsel beenden

Cape Canaveral - Drei Jahre nach der Ausmusterung der Spaceshuttles hat die US-Raumfahrtbehörde NASA die Weichen für eine Wiederaufnahme von bemannten Flügen ins All gestellt. Die NASA präsentierte am Dienstag die US-Unternehmen Boeing und SpaceX als Partner, um bis 2017 eine neue Generation von Raumfähren zu entwickeln. Der Vertrag hat ein Gesamtvolumen vonumgerechnet 5,25 Milliarden Euro.

Neue "Weltraumtaxis" gebraucht

Die NASA hatte ihr Shuttle-Programm im Sommer 2011 nach drei Jahrzehnten vor allem aus Kostengründen eingestellt. Als letzte Raumfähre flog damals die "Atlantis" ins All. Seitdem sind die USA für die Reisen ihrer Astronauten zur Internationalen Raumstation (ISS) auf russische Sojus-Kapseln angewiesen - und zahlen rund 70 Millionen Dollar pro Sitz. Die einst stolzen Spaceshuttles sind an mehreren Orten in den Vereinigten Staaten als Museumsstücke zu bestaunen.

Die NASA hat nun die zwei privaten Unternehmen beauftragt, "Weltraumtaxis" für die US-Raumfahrt zu bauen, zu warten und kommerziell zu betreiben. Man schlage das "aufregendste und spannendste Kapitel in der Geschichte der bemannten Raumfahrt auf", erklärte Behördenchef Charles Bolden. Die "großartigste Nation der Erde" sollte im Weltraum nicht von anderen Ländern abhängig sein. Nun werde die US-Abhängigkeit von Russland bis 2017 enden.

Die Welt ist nicht genug

Der Luft- und Raumfahrtriese Boeing plant eine eichelförmige Raumkapsel mit dem Namen CST-100, die bis zu sieben Astronauten zur ISS fliegen soll. Die vergleichsweise kleine und junge Firma SpaceX des Unternehmers Elon Musk führt im Auftrag der NASA bereits seit 2012 mit ihrem Raumtransporter Dragon Versorgungsflüge zur ISS aus. Für die Beförderung von Astronauten entwickelt SpaceX derzeit eine neue Version des Dragon.

"SpaceX ist zutiefst geehrt von dem Vertrauen, das die NASA in uns gesetzt hat", erklärte Musk. "Das ist ein wichtiger Schritt auf einer Reise, die uns letztlich zu den Sternen führen und die Menschheit zu einer Spezies auf mehreren Planeten machen wird."

In harten Zahlen ausgedrückt

Boeing erhält von der NASA mit 4,2 Milliarden Dollar den Löwenanteil für den Bau einer Raumfähre, SpaceX muss sich mit 2,6 Milliarden Dollar zufriedengeben. "Es war keine einfache Wahl, aber es war die beste Wahl für NASA und das Land", sagte Bolden bei einer Pressekonferenz in Cape Canaveral.

Die NASA hat seit 2010 bereits mehr als 1,4 Milliarden Dollar ausgegeben, um die Privatwirtschaft bei der Entwicklung von bemannten Raumfähren zu unterstützen. Das Luft- und Raumfahrtunternehmen Sierra Nevada, das ebenfalls in die engere Auswahl gekommen war, ging am Dienstag leer aus. (APA, 17.9.2014)

  • So könnte die Zukunft aussehen: eine CST-100 von Boeing beim Anflug an die ISS.
    foto: reuters/boeing

    So könnte die Zukunft aussehen: eine CST-100 von Boeing beim Anflug an die ISS.

  • Eine Innenansicht der CST-100 inklusive LED-Beleuchtung und Tablet-Technologie.
    foto: reuters/nasa/robert markowitz/handout

    Eine Innenansicht der CST-100 inklusive LED-Beleuchtung und Tablet-Technologie.

  • Die unbemannte Version der Dragon-Raumschiffe von SpaceX hat bereits Weltraumerfahrung gesammelt. Hier im Bild die künftige Version Dragon V2, die auch Personen befördern soll.
    foto: ap photo/jae c. hong

    Die unbemannte Version der Dragon-Raumschiffe von SpaceX hat bereits Weltraumerfahrung gesammelt. Hier im Bild die künftige Version Dragon V2, die auch Personen befördern soll.

  • Kathy Lueders, Programmmanagerin für den Astronautentransport bei der NASA, präsentiert zusammen mit Bob Cabana (li.), Direktor am Kennedy Space Center der NASA, und dem Astronauten Mike Fincke, einem ehemaligen Commander der ISS, die neuen Raumfahrtambitionen in Cape Canaveral, Florida.
    foto: reuters/nasa/bill ingalls

    Kathy Lueders, Programmmanagerin für den Astronautentransport bei der NASA, präsentiert zusammen mit Bob Cabana (li.), Direktor am Kennedy Space Center der NASA, und dem Astronauten Mike Fincke, einem ehemaligen Commander der ISS, die neuen Raumfahrtambitionen in Cape Canaveral, Florida.

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