Alzheimer und Parkinson könnten ansteckend sein

16. September 2014, 19:14
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Bei sozialen Kontakten bestehe allerdings keine Gefahr, meint der Neuropathologe Armin Giese

München - Alzheimer-Demenz und Morbus Parkinson könnten ansteckend sein. Neuromediziner können ein Übertragungsrisiko bei bestimmten medizinischen Eingriffen jedenfalls nicht gänzlich ausschließen. Hinweise darauf erhielten die Wissenschafter bei Tierversuchen, wie der Münchner Neuropathologe Armin Giese am Dienstag bei der Eröffnung der Neurowoche mit 7.000 Fachleuten in München berichtete.

Verklumpte Eiweiße aus dem Gehirn von Parkinsonpatienten seien Affen gespritzt worden, bei denen anschließend ähnliche Veränderungen im Gehirn beobachtet worden seien. Allerdings schränkte Giese ein: "Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass man sich mit Alzheimer oder Parkinson beim sozialen Kontakt oder bei der Pflege von Patienten anstecken kann." Mögliche Übertragungswege etwa bei Bluttransfusionen oder Hirnoperationen seien aber nicht vollständig geklärt.

Kettenreaktion im Gehirn

Die Alzheimer-Demenz und Parkinson breiten sich im Gehirn offenbar wie ein Infektionskrankheit aus, wie Giese weiter berichtete. Die verklumpten Proteine lösen offensichtlich eine Kettenreaktion aus, die wie eine Lawine auf verschiedene Gehirnteile übergreift.

Die Neuromedizin befasse sich derzeit intensiv mit der Frage, wie diese Kettenreaktion gestoppt werden kann. "Wenn es gelänge, diese Prozesse aufzuhalten, könnte das ein wichtiger Schritt zur Behandlung dieser bisher unheilbar fortschreitenden Erkrankung sein", so der Experte.

Parallelen zu Prionerkrankungen

Giese gab zu bedenken, dass es bei Alzheimer-Demenz und Parkinson Parallelen zu den sogenannten Prionerkrankungen wie Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) und BSE gebe. Bei diesen sei die Übertragbarkeit erst nach langer Zeit nachgewiesen worden. Umso wichtiger sei es nun, der Frage bei Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson verstärkt nachzugehen.

Bei dem größten deutschsprachigen Kongress der Neuromedizin befassen sich in München bis Freitag rund 7.000 Fachleute aller neuromedizinischen Fachrichtungen mit den Herausforderungen der Zukunft. Der interdisziplinäre Ansatz berge eine große Chance für neue Impulse, sagte Kongresspräsident Wolfgang Oertel von der Klinik für Neurologie der Universität Marburg. (APA/red, derStandard.at, 16.09.2014)

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