Umweltanwaltschaft: "Angriffe auf Tiroler Natur häufen sich" 

16. September 2014, 19:17
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Kritik an Wasserkraft-Ausbauplänen - Landesregierung stellt Konzept für "Energieautonomie" vor

Innsbruck - "Alles auf Schiene", sagt der Landeshauptmann und zeigt grinsend auf den Zug hinter sich. Günther Platter steht am Bahnsteig 1 des Innsbrucker Hauptbahnhofs, wo die schwarz-grüne Tiroler Landesregierung am Dienstag ihr Konzept für ein "energieautonomes" Tirol ab 2050 vorgestellt hat. Die Eckpunkte: halb so viel Verbrauch, 30 Prozent mehr erneuerbare Energie.

Möglich sein soll das über thermische Gebäudesanierungen, attraktiven öffentlichen Verkehr und den Ausbau der Wasserkraft. "Selbstverständlich", stellt Platter klar, sei auch der unter Umweltschützern umstritte Ausbau des Pumpspeicherkraftwerks im Kauntertal nötig. Da gebe es "derzeit keinen Plan B".

Aktiengesellschaft entscheide über "Zukunft der Gewässer"

"Die Angriffe auf die Tiroler Natur häufen sich in diesem Herbst", sagt nun der Tiroler Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer. Sein Büro hat inzwischen auch eine Stellungnahme an Umweltminister Andrä Rupprechter geschickt, in der massive Bedenken am sogenannten Wasserwirtschaftlichen Rahmenplan des Energieversorgers Tiwag geäußert werden. "Es ist mir völlig unverständlich, wie es die Landesregierung zulassen kann, dass die Tiwag als Aktiengesellschaft über die Zukunft unserer Gewässer entscheidet", sagt Kostenzer.

Er kritisiert, wie sämtliche Naturschutzverbände und zahlreiche Bundesgrüne, vor allem die Kraftwerksvorhaben im Kaunertal und Kühtai. Letztes könne auch Auswirkungen auf eine andere politische Baustelle haben: den ebenso umstrittenen Seilbahnbau über die Kalkkögel, wo - wie für das Kühtai - bestehende Gesetze geändert werden müssten, da beide Gebiete Schutzzonen sind.

Zumindest ein stromautonomes Tirol hält Kostenzer für realistisch: "Das sind wir nämlich schon längst." (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 17.9.2014)

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