Türkei und IS-Terroristen: Aktiv wegschauen

Kommentar16. September 2014, 18:07
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Die hochfliegende panislamische Außenpolitik ist gescheitert

Die türkische Regierung ist dieser Tage beschäftigt, ihre Kontrolle über Internetbenutzer im Land auszuweiten und die getrennte Sitzordnung von Frauen und Männern im neuen Hochgeschwindigkeitszug zwischen Ankara und Istanbul durchzusetzen. Wahrscheinlich gibt es wichtigere Probleme, auf deren Lösung der konservativ-islamische Staatschef und sein Kabinett derzeit ihre Energie verwenden könnten – zumindest aus Sicht der Nato-Partner und der Europäischen Union, deren Mitglied die Türkei ja einmal werden möchte: der Kampf gegen die Terrorarmee Islamischer Staat (IS) zum Beispiel.

Die hat sich schließlich auch dank der Türkei bei den Nachbarn Syrien und Irak festsetzen können. Die USA scheinen wenig Zweifel zu haben, dass der türkische Geheimdienst Islamisten im syrischen Bürgerkrieg bewaffnet hat. Hinweise auf Geschäfte von Türken mit der IS mehren sich: Öl wurde oder wird noch mit Lastwagen aus dem Irak und mit selbstgebauten Pipelines aus Syrien geschmuggelt. "Lügnerisch" nennt Ankara diese Berichte.

Die türkische Regierung bringt es nicht über sich, die Männer der IS "Terroristen" zu nennen. Sie will die 49 türkischen Geiseln nicht gefährden, die in der Hand der Miliz sind; sie fürchtet Anschläge im eigenen Land. Die hochfliegende panislamische Außenpolitik ist gescheitert. Die Türkei ist zurück bei der Politik der "aktiven Neutralität", mit der sie sich durch den Zweiten Weltkrieg wurstelte. (Markus Bernath, DER STANDARD, 17.9.2014)

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