Megatrends und Menetekel

16. September 2014, 17:58
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Der Medienminister und die "Heute"-Chefin sagten den Medientagen kurzfristig ab - beide, auf ihre Art, wegen Bundeskanzler Werner Faymann. Forderungen nach neuen Förderungen und anderen Steuern fehlte damit wieder einmal der direkte Adressat

Wien - Eva Dichand sagte am Dienstag kurzfristig ab. Direkt vor der Verleihung des "Medien-Zukunftspreises" an dossier.at wollte sie nicht bei den Medientagen über "Innovation durch Transformation" diskutieren.

Die Recherche-Plattform Dossier widmet sich gerade ausführlich jenen Innovationen, auf denen Dichands Gratiszeitung "Heute" und ihr wirtschaftlicher Erfolg seit zehn Jahren fußen. Gründer aus dem Umfeld des Wohnbaustadtrats und heutigen Bundeskanzlers und SPÖ-Chefs Werner Faymann und von "Krone"-Gründer Hans Dichand, lange verschleierte Besitzverhältnisse. Und ein sehr hoher Anteil von Werbebuchungen öffentlicher Institutionen, vor allem anfangs besonders aus dem Umfeld Faymanns und der SPÖ. In einer langen Aussendung wies Eva Dichand die Recherchen von Dossier.at zurück. Den Preis sponsern unter anderem die Wiener Linien, die für einen Exklusivvertrag mit "Heute" bis zum Obersten Gerichtshof gingen.

"Hochrisikotopf"

Schon zuvor hat Josef Ostermayer abgesagt, der seit vielen Jahren Werner Faymann auch in Sachen Medien unterstützt und Vorstand einer Stiftung war, die bald danach an "Heute" beteiligt war. Diesmal sagte er mit sehr konkreter Begründung ab: Der Medienminister vertrat den erkrankten Faymann im Ministerrat.

Womit den Eröffnungsrednern der Hauptadressat wieder einmal abhandenkam. Veranstalter und Branchenverleger Hans-Jörgen Manstein las wie alle Jahre Medien und Politik die Leviten. Er vermisst Vielfalt in der Berichterstattung etwa über den Rücktritt von VP-Chef Michael Spindelegger und über die Ukraine. Er sieht Sparmaßnahmen beim "Standard" als "Menetekel" für die Branche. Ist gegen Förderungen und für die Einbindung der "Leute da draußen". Da ließen sich die täglich an die 20.000 Postings auf derStandard.at als Beispiel anführen, die erwähnt Manstein nicht.

Auch Peter Lammerhuber kam mit Ostermayer der Adressat seiner Thesen abhanden. Er leitet die Group M, die den Markt der Werbebuchunggen in Österreich dominiert. Er empfiehlt etwa, alle Medienförderungen zusammenzulegen, inklusive ORF-Gebühren, und neu sinnvoll zu verteilen.

ORF-Chef Alexander Wrabetz findet das gut. Aber nur nach seinem Modell, wenn jene 300 Millionen Euro jährlich an Medien gehen, die bisher Bund und Länder mit den ORF-Gebühren einheben. Zeitungsverbandschef Thomas Kralinger ist für Neuordnung der Medienförderung. Nachsatz mit Blick auf öffentliche Inserate für den Boulevard: "Das wäre ein Weg weg von reiner Klientenbedienung." "Kurier"-Manager Kralinger aber hörte schon von Politikern: "Wenn ihr so schreibt über uns, brauchen wir euch nicht fördern."

Urheberrechte neu zu regeln

Lammerhuber empfiehlt weniger Werbesteuer - drei statt fünf Prozent, aber auf alle in Österreich ausgespielte Werbung, also etwa auch via Google. Wie Konzerne wie dieser etwa mit Sitz in Irland ihre Förderungen und Steuern optimieren, möge die Politik auch angehen. Die österreichische wenigstens eine Haltung dazu entwickeln, die sie in der EU vertreten könne. Urheberrechte seien neu zu regeln - für alle Inhalte. Und er empfiehlt den Medienmachern das Beispiel Tschechien, wo eine nationale Suchmaschine Google und Co. erfolgreich abwehre.

Und wie ist das nun mit der Innovation und der Transformation in den Medien? "Digitalisierung ist der Megatrend, in allen Branchen", bleibt Bertelsmann-Boss Thomas Rabe wie viele eher allgemein. Sein Magazin-Statthalter in Wien, "News"-Boss Horst Pirker betont, dass Innovation keineswegs nur digital ist. Die "News"-Gruppe hat übrigens keinen Geldtopf für riskante Innovationen: "Wir sind so ein Hochrisikotopf." (fid, DER STANDARD, 17.9.2014)

  • Neue Medienförderungen, Werbesteuer für alle und ein bisschen Google-Bashing bei den Medientagen: ORF-Chef Alexander Wrabetz, ...
    foto: apa/hans punz

    Neue Medienförderungen, Werbesteuer für alle und ein bisschen Google-Bashing bei den Medientagen: ORF-Chef Alexander Wrabetz, ...

  • ... Bertelsmann-Boss Thomas Rabe, ...
    foto: apa/hans punz

    ... Bertelsmann-Boss Thomas Rabe, ...

  • ... Zeitungsverbandspräsident Thomas Kralinger, ...
    foto: apa/hans punz

    ... Zeitungsverbandspräsident Thomas Kralinger, ...

  • ... Group-M-Chef Peter Lammerhuber, ...
    foto: apa/georg hochmuth

    ... Group-M-Chef Peter Lammerhuber, ...

  • ... "Krone"- und RTL-Berater Hans Mahr ...
    foto: apa/hans punz

    ... "Krone"- und RTL-Berater Hans Mahr ...

  • ... und Vorstandschef Markus Mair, der seiner Styria auf Anfrage auch heuer schwarze Zahlen voraussagt.
    foto: apa/hans punz

    ... und Vorstandschef Markus Mair, der seiner Styria auf Anfrage auch heuer schwarze Zahlen voraussagt.

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