Wachstum und Klimaschutz kein Widerspruch

17. September 2014, 05:30
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Die Belebung der Weltwirtschaft muss nicht auf Kosten des Klimaschutzes gehen. Experten rechnen vor: Die nächsten 15 Jahre sind entscheidend

New York / Wien - Wenn Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon am kommenden Dienstag in New York zu einem Sondergipfel lädt, dann haben führende Staats- und Regierungschefs wieder einmal die Gelegenheit, ihre Bereitschaft im Kampf gegen den Klimawandel zu beteuern. Allgemein erwartet wird von den teilnehmenden Politikern ein klares Signal auf dem Weg zu einem globalen Abkommen bei der nächstjährigen Klimakonferenz in Paris. Im Zentrum der dortigen Verhandlungen werden erneut die volkswirtschaftlichen Kosten von Klimaschutzmaßnahmen stehen.

Dabei könnte die Furcht vor diesem zu zahlenden Preis eine unbegründete sein. So zumindest argumentiert ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der Globalen Wirtschafts- und Klimakommission, einer gemeinsam vom mexikanischen Ex-Präsidenten Felipe Calderón und dem britischen Ökonomen Nicholas Stern geleiteten Expertengruppe. "Die Annahme, dass wir uns zwischen der Bekämpfung des Klimawandels und einer wachsenden Weltwirtschaft entscheiden müssen, ist falsch", sagte Calderón bei der Präsentation des Berichts in New York.

Stattdessen könnte sich ein entschlossener Schritt zu mehr Nachhaltigkeit sogar als globaler Wachstumsturbo erweisen, so das Resümee. Möglich machen sollen das technologische Entwicklungen in den Bereichen Städteplanung, Landnutzung und Energieversorgung.

Genügend Kapital vorhanden

Als konkrete Schritte werden in einem Zehn-Punkte-Plan beispielsweise die Verdichtung des Wohnraums und die Förderung von öffentlichen Verkehrsmitteln im urbanen Raum empfohlen. Ebenso drängende Probleme seien die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität und eine wesentlich schnellere Umstellung der Energieversorgung: Weg von Kohle, Öl und Gas, hin zu Erneuerbaren, lautet die Forderung. Schon heute mache der fallende Preis von Solar- und Windenergie diese immer wettbewerbsfähiger. Geht es nach den Autoren, soll in Zukunft ein effizienterer Schadstoffhandel mit teureren Verschmutzungszertifikaten diesen Trend beschleunigen.

Noch werde der Kampf gegen den Klimawandel jedoch nicht ernst genommen: Während jährlich rund 100 Milliarden Dollar in die Förderung sauberer Energie fließe, wären jene für die Nutzung von fossilen Energieträgern sechsmal so hoch. Das zeige, dass die finanziellen Mittel für Investitionen in den Klimaschutz vorhanden sind. "Die nächsten 15 Jahre sind wegweisend. Wenn wir jetzt nicht handeln, dann sind wir für Jahrzehnte in unserer Entscheidung gefangen", so Michael Jacobs, Co-Autor der Studie.

Versicherung gegen Klimawandel

"Es geht darum, Kapitalgebern ein sicheres Investitionsumfeld zu geben. Bis jetzt haben die Regierungen sehr unterschiedliche Signale gegeben. Das muss sich ändern." Der entscheidende Punkt sei eine entschlossene Politik. Hoch entwickelte Länder sollen dabei nicht nur vorangehen, sondern auch finanzielle Mittel für Investitionen in ärmeren Regionen freimachen.

Die Autoren rechnen vor, wie der Umstieg auf nachhaltige Technologien zum Geschäft wird: Bei einer Beibehaltung des jetzigen Kurses wären in den kommenden 15 Jahren weltweit jährliche Investitionen in die Infrastruktur von Städten, Landwirtschaft und Energieversorgung in Höhe von 6000 Mrd. Dollar notwendig. Würden die Empfehlungen des Berichts umgesetzt, lägen die Mehrkosten bei im Vergleich dazu überschaubaren 270 Mrd. Dollar. Diese höheren Kapitalkosten könnten über Einsparungen bei Energiekosten hereingeholt werden. Eine "Versicherung gegen den Klimawandel", so die Experten. (Simon Moser, DER STANDARD, 17.9.2014)

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    foto: apa/meissner

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