Nochmals Neustart für Novo Banco

16. September 2014, 17:27
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Nach dem Rücktritt der Chefetage der Novo Banco, dem "guten Rest" der portugiesischen Problembank, will Premier Pedro Passos Coelho das gerettete Bankhaus nun raschestmöglich verkaufen

Lissabon - Portugals Novo Banco (NB) kommt nicht aus dem Trudeln. Das Geldhaus, das aus den nicht-giftigen Teilen der vom gleichnamigen Familienclan in den Abgrund geführten Banco Espírito Santo (BES) entstand, ist in personellen und strategischen Turbulenzen. Vergangenen Sonntag legte der vor zwei Monaten erst angetretene Neo-Bankchef Vítor Bento (60) - zuvor war er temporär BES-Chef - gemeinsam mit zwei seiner engsten Vertrauten, dem NB-Vize José Honório und Finanzchef Joao Moreira Rato, sein Amt nieder.

Bento war wegen seines mittel- bis langfristigen Plans einer von McKinsey penibel begleiteten privaten Neustrukturierung der NB seitens der Aktionäre massiv ins Kreuzfeuer geraten. Skeptisch äußerten sich Ratingagenturen wie Moody's, die die NB-Kreditwürdigkeit als "hochspekulativ" (B3) werteten. Nicht zuletzt ist es jedoch die Nationalbankführung der Banco de Portugal (BdP) unter Carlos Costa gewesen, die Bento nicht spuren sah und wie die Wochenzeitung Expresso berichtete, bereits seinen Nachfolger suchte.

Primär wollen die Zentralbank, Premierminister Pedro Passos Coelho und die EU-Kommission die NB "raschestmöglich zur Risikominimierung" verkaufen. Bestenfalls eingegliedert in eine global tätige Bank, lautet die politische Vorgabe. Vor allem gilt es aber den unlängst seitens der Rechtsregierung eingeräumten, "potenziell-negativen Einfluss der BES auf BIP, internationale Investments und die Kreditvergabe" im Rahmen zu halten.

Neue Führung "auf Linie"

Um 4,9 Milliarden Euro (davon 3,9 Mrd. Euro aus Staatsgeldern) war Mitte Juni die BES rekapitalisiert und dann nach Aktiva geteilt worden. Toxische verblieben als "Bad Bank" unter dem Namen der BES. Die Brauchbaren wanderten in die NB. "Die neue Führung wird mehr auf Linie der Aktionäre sein", betonte Bento in seinem Rücktrittsschreiben an die Belegschaft und räumte ein: "Die NB wird immer eine große Bank sein."

Auf ihn folgte de facto fliegend mit Eduardo Stock de Cunha (51) ein weiterer Veteran des Finanzsektors. Einer, der seine Sporen über drei Dekaden bei Lloyds oder etwa der spanischen Banco Santander verdiente - um deren Portugaltochter Santander Totta neuerliche Gerüchte um ein potenzielles Kaufinteresse an der NB kursieren. Die Banco Português de Investimento (BPI) signalisierte ihrerseits bereits ein solches.

Dem nahen EZB-Stresstest werde sich die NB aller Turbulenzen zum Trotz stellen müssen, berichtet die Wirtschaftszeitung Diário Económico. Derweil werden wenige Monate nach der teuren Verstaatlichung die Fragen nach der Verantwortung immer lauter gestellt. So haben die Troika-Missionen und die Notenbank die Misere nicht entdecken können. Im Falle der Zentralbank wurde die BES noch im Jahr 2013 als "vorbildlich" gelobt. (jam, DER STANDARD, 17.9.2014)

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