Selbst Murray macht sich Gedanken 

16. September 2014, 17:15
25 Postings

Der schottische Sport hätte im Fall der Unabhängigkeit große Probleme zu lösen

Edinburgh/Wien - Am Abend der Entscheidung über Schottlands Unabhängigkeit wird auch Tennisstar Andy Murray gebannt vor dem Fernseher sitzen. "Das ist sehr wichtig für meine Familie, ich werde aufbleiben und es mir anschauen", sagte der schottische Olympiasieger aus Dunblane und machte um seine eigenen Pläne kein Geheimnis: "Wenn Schottland unabhängig würde, dann denke ich, dass ich für Schottland spielen würde. Aber so viele Gedanken habe ich mir nicht gemacht, weil ich nicht glaube, dass es passieren wird."

Das einst Undenkbare ist mittlerweile allerdings gar nicht mehr so unwahrscheinlich. Auch für den britischen Sport hätte eine Loslösung weitreichende Folgen. Die Pläne sehen vor, dass schottische Athleten wählen dürfen, ob sie für Schottland oder Großbritannien starten.

Keine Wahlempfehlung von Hoy

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London gewannen schottische Sportler sieben der 29 Goldmedaillen für das "Team GB". Und das, obwohl nur rund zehn Prozent aller britischen Teilnehmer aus Schottland kamen. Neben Murray gehörte der zum Ritter geschlagene Doppelolympiasieger Sir Chris Hoy zu den größten Stars der Gastgeber.

Der mittlerweile zurückgetretene Bahnradstar aus Edinburgh vermied eine klare Wahlempfehlung, wurde aber von schottischen Nationalisten sehr flott als Verräter gebrandmarkt, weil er für den Fall der Unabhängigkeit massive Nachteile für schottische Sportler prophezeite.

Hoy selbst hat sich meist in England auf seine Wettkämpfe vorbereitet. Der schottische Sport muss mit finanziellen Einbußen rechnen. Derzeit bekommen nördlich des Hadrian's Wall geborene Athleten jährlich rund 15 Millionen Euro Unterstützung durch den Dachverband UK Sports.

Work to do

Im Fall der Unabhängigkeit käme auf die Sportfunktionäre viel Arbeit zu. Vor allem mit Blick auf die Olympischen Spiele in weniger als zwei Jahren in Rio. Ein olympischer und paralympischer Dachverband müsste gegründet werden. Die Aufnahme durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist erst möglich, wenn die Vereinten Nationen Schottland als unabhängigen Staat anerkannt haben. IOC-Präsident Thomas Bach hat den schottischen Athleten aber zugesichert, ihre Interessen zu schützen. Notfalls könnten sie unter olympischer Flagge starten.

Die Gegner der Unabhängigkeit setzen auf einen bekannten Schotten. "800.000 Schotten leben und arbeiten wie ich in anderen Teilen des Vereinigten Königreichs", sagte Sir Alex Ferguson, das Glasgower Idol von Englands Fußballrekordmeister Manchester United. Er ist Teil der Kampagne "Better together": "Wir leben nicht in verschiedenen Ländern, wir sind nur in einem anderen Teil der Familie." (sid, lü, DER STANDARD, 17.09.2014)

  • Andy Murray hat stets betont, ein Schotte zu sein.
    foto: usa today sports

    Andy Murray hat stets betont, ein Schotte zu sein.

  • Ritter Hoy deklariert sich nicht.
    foto: epa/charisius

    Ritter Hoy deklariert sich nicht.

Share if you care.