Pensionsvorsorge sollte einfacher werden

16. September 2014, 17:15
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System ist zu komplex - Steuerliche Erleichterungen würden Unternehmen helfen

Wien - Dass die Versorgung durch die staatliche Pension wegen des demografischen Wandels für künftige Generationen nicht mehr so hoch ausfallen werde, wie es für bisherige Generationen der Fall gewesen sei, sollte in den Köpfen der Menschen bereits angekommen sein. Dennoch hake es bei der betrieblichen und bei der privaten Vorsorge, sagt Christoph Krischanitz, Chef des versicherungsmathematischen Beraters Arithmetica und Aktuar. Er sieht die Komplexität des Vorsorgesystems als einen Stolperstein dafür.

"Unterschiedliche steuerliche und bilanzielle Regelungen machen es für Unternehmen schwer, einen Durchblick zu bekommen", sagt Krischanitz. Die Komplexität in den verschiedenen Systemen sei zu groß. Mehrere Versicherungsmodelle, die Auswahl einer Pensionskasse oder Pensionsrückstellungen stehen den Unternehmen als Mittel zur Verfügung. Allein die Angebote der neun Pensionskassen zu vergleichen sei für viele schon eine Hürde, sagt Krischanitz. Die Vielzahl der Anbieter und die Fülle der Produkte seien nicht mehr überschaubar.

Babyboom-Generation

Hinzu komme aktuell der noch mangelnde Bedarf, weil der Staat ohnehin noch rund 90 Prozent des Gesamtpensionsaufkommens sichere. Wenn aber die Babyboom-Generation - also jene, die in den 1960ern geboren wurden - in Pension gehe, werde das System in Wanken geraten, sagt Krischanitz. Ab 2025 gehe die Schere zwischen Erwerbstätigen und Versorgten auf, zeigt die Statistik. Spätestens dann müsse man sich auch die Frage stellen, wie der Wegfall der Wirtschaftsleistung kompensiert werde.

Wenn weniger Menschen in die Erwerbstätigkeit folgen als ausscheiden, würden möglicherweise auch Arbeitsmodelle wie etwa die Teilzeitbeschäftigung wegfallen, weil sie nicht mehr darstellbar seien. Die Erwerbstätigen müssten möglicherweise auch mit einer Output-Steigerung rechnen, was die Belastung für den Einzelnen erhöhe. Es sei daher jetzt auch Zeit, in Forschung und Bildung zu investieren, um in den nächsten Jahren mit Innovationen auf den Mangel bei der Erwerbstätigkeit reagieren zu können.

Geringe Zusatzvorsorge

Laut Krischanitz sind erst rund 40 Prozent der Arbeitnehmer von einer Zusatzvorsorge erfasst. Um diese Zahl zu erhöhen und um den Staat zu entlasten, brauche es auch Mitarbeiter, die auf eine Zusatzpension drängen. "Es braucht aber vor allem steuerliche Erleichterungen und die Anhebung von Freibetragsgrenzen", fasst Krischanitz zusammen. (bpf, DER STANDARD, 17.9.2014)

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