De Billy über Meyer: "Unehrlichkeit und Illoyalität"

16. September 2014, 17:09
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Der französische Dirigent verlässt die Wiener Staatsoper

Wien - Das Betriebsklima muss ziemlich schlecht sein: Nun, nach dem Abgang von Franz Welser-Möst als Generalmusikdirektor vor zehn Tagen, hat sich auch der französische Dirigent Bertrand de Billy von der Staatsoper zurückgezogen. Direktor Dominique Meyer wollte sich auf Anfrage des STANDARD nicht dazu äußern.

Und auch Günter Rhomberg, der interimistische Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, reagierte betont zurückhaltend. Er sagte nur, er wolle den Staatsoperndirektor mit einer Stellungnahme nicht "overrulen". Die Situation am Haus sei Meyers alleinige Angelegenheit, Auswirkungen auf die Bundestheater sehe er keine.

"Das Kapitel Staatsoper ist für die Dauer der Amtszeit von Dominique Meyer für mich abgeschlossen", so de Billy, der im März nach Unstimmigkeiten mit der Direktion das Dirigat der Lohengrin -Neuproduktion zurückgelegt hatte, im Gespräch mit dem Kurier. Er selbst sei diesem Haus gegenüber "immer loyal" gewesen, bekräftigt der Dirigent. Allerdings sei er zuletzt "mit Unehrlichkeit und Illoyalität konfrontiert" gewesen, sodass er sich entschieden habe: "Unter diesen Voraussetzungen lässt sich die Arbeit nicht mehr fortsetzen."

De Billy war nach der Lohengrin-Absage wieder für Dirigate ins Haus am Ring zurückgekehrt, sei jedoch im Juli informiert worden, dass er zwar im Repertoire dirigieren könne, was er wolle, aber die bereits fixierten Neuproduktionen nicht, so der Dirigent: "Mir war klar: Es hat für mich unter diesen Umständen an diesem Haus keinen Sinn mehr."

Er habe alle vorgesehenen Vorstellungen abgesagt, darunter vier Fledermaus-Vorstellungen in der laufenden Saison (für die Patrick Lange einspringt), in der kommenden Saison Manon mit Diana Damrau und Lohengrin, in der Folge Fidelio und einiges andere.

Direktor Meyer bedauert im Kurier diese Absage, steht aber zu seiner Neudisposition der vorbesprochenen Premieren. Er brauche "Partner, die hundertprozentig loyal sind": "Wenn ich drei, vier Jahre vorher eine Neuproduktion plane, muss ich wissen, dass die Abmachung hält. Das Vertrauen hatte ich nicht mehr." (lip, APA, DER STANDARD, 17.9.2014)

  • Bertrand de Billy verlässt die Staatsoper.
    foto: apa/herbert neubauer

    Bertrand de Billy verlässt die Staatsoper.

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