Medientage: Finanzierung größte Herausforderung für Agenturen

16. September 2014, 16:37
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APA-Geschäftsführer Kropsch: "Das klassische Finanzierungsmodell der Nachrichtenagentur hat weitestgehend ausgedient" - "Soziale Medien sind Freunde, aber solche mit schlechten Manieren"

Wien - Die Finanzierung der Nachrichtenagentur wird die größte Herausforderung für die kommenden Jahre. Dies erklärte APA-Geschäftsführer Peter Kropsch im Rahmen der Österreichischen Medientage bei einem Vortrag über Perspektiven von Nachrichtenagenturen in einer sich rasant verändernden Medienwelt.

"Das klassische Finanzierungsmodell der Nachrichtenagentur - die ausschließliche Finanzierung durch Verkauf des Basisdienstes an Medienkunden - hat, so wie es aussieht, weitestgehend ausgedient", sagte Kropsch. Auflagen und Reichweiten, die traditionell das Preismodell von Nachrichtenagenturen bestimmen, gingen nach unten. "Die APA hat heuer bereits zwei Genossenschaftsmitglieder verloren."

International würden sich derzeit drei "Geschäftsmodelle" für Nachrichtenagenturen herauskristallisieren, erklärte Kropsch, der demnächst turnusmäßig seine Funktion als Präsident der europäischen Nachrichtenagenturen abgibt: Die Nachrichtenagentur mit fast ausschließlicher Ausrichtung am Kerngeschäft Nachrichten. Dieser Typus benötige entweder einen sehr großen Markt oder Inhalte, die auf internationalen Märkten skalieren. Die zweite Finanzierungsform sei die Nachrichtenagentur, die Public Money for Public Value unter einer Art öffentlich-rechtlichem Reglement erhält. Die dritte Form sei die Nachrichtenagentur unter direkter Verwaltung des jeweiligen Staates. "Und dies ist unter den rund 150 Nachrichtenagenturen weltweit die vorherrschende Form. Ein Regierungswechsel hat hier typischerweise oft rasch einen Wechsel an der Spitze der Agentur zur Folge. Den Grad der Unabhängigkeit überlasse ich Ihrer Interpretationskraft."

Die APA gehöre laut Kropsch "zur kleinen Gemeinde von weltweit etwa 20 Agenturen, die sich der Aufgabe stellen, die Unabhängigkeit durch eigene Wirtschaftskraft sicher zu stellen. Da dies aus dem Kerngeschäft nicht möglich ist, müssen wir andere, verwandte Geschäfte entwickeln, um Kosten von Overheads, Innovation und Infrastruktur zu finanzieren, die sonst der Kernbereich Nachrichtenagentur alleine tragen müsste. Von den etwa 70 Millionen Euro Umsatz der APA entfallen auf das Kerngeschäft Nachrichten knapp 20 Millionen. Sehr vereinfacht gesprochen sind die restlichen 50 Millionen für die Finanzierung der Unabhängigkeit verantwortlich."

Nachrichtenagenturprodukte der Zukunft würden multimedial und inhaltlich vernetzt und noch näher an der Realtime sein, so Kropsch. Darüber hinaus hielten Algorithmen "nach und nach Einzug in die Welt der Nachrichten-Erstellung". Eine bedeutende Rolle spielten auch Soziale Medien. "Soziale Medien sind die größte Erweiterung der Nachrichten-Quellen seit langer Zeit. Sie ersetzen Nachrichtenagenturen nicht - die Beziehung ist symbiotisch. Der Verstärker-Effekt, ob Nachrichten Reaktionen hervorrufen, hat größeren Einfluss auf das Agenda-Setting als die Möglichkeit, neue Fakten zu schaffen. Soziale Medien sind Freunde, aber solche mit schlechten Manieren", meinte Kropsch. (APA, 16.09.2014)

  • Peter Kropsch sprach bei den Medientagen über Perspektiven von Nachrichtenagenturen in einer sich rasant verändernden Medienwelt.
    foto: apa

    Peter Kropsch sprach bei den Medientagen über Perspektiven von Nachrichtenagenturen in einer sich rasant verändernden Medienwelt.

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