Sterbehilfe für belgischen Sexualstraftäter bewilligt

17. September 2014, 05:30
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Der wegen Mordes verurteilte Frank Van Den Bleeken wird die letzten Stunden seines Lebens in einem belgischen Krankenhaus verbringen

Brüssel/Wien - Der Belgier Frank Van Den Bleeken sitzt eine lebenslange Haftstrafe wegen Vergewaltigung und Mordes ab. Der heute 50-Jährige wurde in den 1980er-Jahren verurteilt - seit drei Jahren kämpft er vor Gericht. Nicht, um aus der Haft entlassen zu werden, sondern für sein Recht auf Sterbehilfe. Wie die BBC berichtet, wurde ihm dieses Recht nun zugesprochen.

Der Grund, warum Van Den Bleeken unter ärztlicher Hilfe sterben möchte, ist, dass er seine gewalttätigen sexuellen Zwänge nicht unter Kontrolle bringen könne. Den ersten Antrag auf Sterbehilfe stellte der Verurteilte im Jahr 2011, weil er unter "unerträglichen psychischen Qualen" leide. Die belgische Euthanasie-Kommission lehnte den Antrag allerdings ab, weil sie alle möglichen Behandlungsmöglichkeiten einbeziehen wollte, bevor Sterbehilfe erlaubt werden soll.

48 Stunden mit Familie

Van Den Bleeken wird demnächst in ein Krankenhaus verlegt werden, wo er 48 Stunden mit seiner Familie verbringen darf, bevor er mit ärztlicher Hilfe stirbt. "Aber man kann nicht sagen, wann oder wo genau das stattfinden wird", sagte sein Anwalt Jos Vander Velpen zu den Medien.

Der Fall des Verurteilten ist der erste genehmigte Sterbehilfefall in Belgien, der einen Häftling betrifft. Das Gesetz zur Legalisierung von aktiver Sterbehilfe wurde vor zwölf Jahren verabschiedet. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte kritisierte Belgien wiederholt, zu wenig für die Behandlung von psychisch kranken Häftlingen zu machen. Auch in der öffentlichen Meinung Belgiens wird der bevorstehende Tod von Van Den Bleeken als vermeidbar gesehen. Ein Arzt sagte zur belgischen Zeitung De Morgen, dass das Land bereits einen schlechten Ruf habe, wenn es um die Versorgung von psychisch kranken Gefangenen gehe: "Das, kombiniert mit einem brisanten Thema wie Sterbehilfe, wird nicht ignoriert werden können."

Im Februar dieses Jahres erregte die Entscheidung des Parlaments in Brüssel Aufsehen, wonach auch Kindern Sterbehilfe ermöglicht werden kann. Insgesamt entscheiden sich immer mehr Menschen in dem Land für aktive Sterbehilfe. Laut einem Bericht über das Jahr 2013 wird so fünf Personen pro Tag das Leben genommen. Das sind um 27 Prozent mehr Fälle als im Jahr 2012. Seit der Legalisierung der Sterbehilfe steigt die Zahl der Fälle jährlich.

Unterschriften in Österreich

In Österreich sind alle Formen von Sterbehilfe illegal und können mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Im Moment dreht sich die öffentliche Diskussion um ein verfassungsmäßiges Verbot der Euthanasie. Die Diakonie sprach sich am Dienstag in einer Aussendung dagegen aus. "Tötung auf Verlangen ist in Österreich strafrechtlich verboten, das ist ausreichend", wird Direktor Michael Chalupka zitiert.

Die parlamentarische Bürgerinitiative "An der Hand" erreichte unterdessen mehr als 20.000 Unterschriften. Das berichtet Kathpress. Sie spricht sich für ein Sterbehilfeverbot in der Verfassung aus. Katholische Einrichtungen unterstützen die Petition. (Bianca Blei, DER STANDARD, 17.9.2014)

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