"Wir sind eine Alternative zu Red Bull"

Interview16. September 2014, 16:17
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Die Salzburger Austria setzt erneut zum Sprung in den Profifußball an. Mit dem Ausbau der Heimstätte soll der Grundstein für die Landung gelegt werden. Austria-Obmann Windischbauer ist voller Zuversicht

Die verpasste Relegation ist im violetten Salzburg Schnee von gestern. Nachdem sich im Stadtsenat eine Mehrheit für eine finanzielle Unterstützung zum Stadionausbau der Violetten aussprach, wartet die Austria noch gespannt auf das abschließende Votum des Gemeinderats. Das Ziel bleibt die Rückkehr auf die Fußballlandkarte Österreichs.

derStandard.at: Der endgültige Beschluss zur finanziellen Hilfe beim Stadionausbau fällt am Mittwoch. Rechnen Sie fix mit den Zuschüssen?

Windischbauer: Es sieht so aus, als wären die Würfel gefallen. Theoretisch ist der Gemeinderat frei in seiner Entscheidung und jeder Mandatar kann so abstimmen, wie er möchte. Aber es ist davon auszugehen, dass das Stimmverhalten wohl dem vom gestrigen Senat entspricht. Es kommt praktisch kaum vor, dass sich binnen zwei Tagen noch etwas ändert.

derStandard.at: Was heißt das jetzt für die unmittelbare Zukunft der Austria Salzburg?

Windischbauer: Wir entsprechen damit den Kriterien der Bundesliga, die die Lizenzvergabe etwas verschärft hat. Einerseits muss das Stadion mit einem Flutlicht mit 800 Lux statt 600 Lux ausgestattet sein und auf der anderen Seite müssen von 1000 Sitzplätzen mindestens 750 überdacht sein. Eine Übergangsphase gibt es jetzt auch keine. Mit dem Beschluss würden wir gerne die Winterpause dazu nutzen, das Stadion auszubauen.

derStandard.at: Im Senat war die Entscheidung knapp. Was waren die Argumente der Gegenstimmen?

Windischbauer: Der Gegenwind stieß sich vor allem an der vermeintlichen Beteiligung der ASKÖ. Es gab Meinungen, dass eine Förderung der ASKÖ zugute kommen würde, die ja in den vergangenen Jahren negative Schlagzeilen gemacht hat. Das konnte damit entkräftet werden, dass die Stadt Salzburg die Baulichkeiten errichtet und diese mobil und transportabel sind, also nicht in das Eigentum der ASKÖ übergehen können. Es wurde juristisch abgesichert, dass alles im Besitz der Stadt Salzburg bleibt und der Austria nur zur Verfügung gestellt wird.

derStandard.at: Wie sieht der längerfristige Plan aus?

Windischbauer: Wir sind jetzt das fünfte Jahr in der Regionalliga und sind zuversichtlich, dass wir den Aufstieg dieses Mal schaffen. In der Ersten Liga sind Mannschaften wie der LASK, Wacker Innsbruck oder Mattersburg und wir hoffen uns mittelfristig in dieser Liga halten zu können. Wir gehen davon aus in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine Lösung zu haben, die uns den Spielbetrieb in Maxglan garantiert.

derStandard.at: Das Publikumsinteresse ist ja seit der Neugründung gegeben. Kann die Austria sich als ernstzunehmende Alternative zu Red Bull etablieren?

Windischbauer: Eine Alternative zu Red Bull stellen wir ja ohnehin dar. Wir sind den steinigen Weg von ganz unten gegangen und hatten alles, nur keine finanzielle Unterstützung. Die Sympathien sind spürbar, sowohl im Inland als auch im Ausland. Natürlich sehen wir uns gerne als kleiner David, der dem Goliath ein Bein stellt. Mit den 1566 Plätzen in Maxglan werden wir auch in Zukunft klein, aber fein bleiben. Aber wenn das Stadion voll ist, und davon gehen wir bei den meisten Spielen aus, können wir eine tolle Stimmung aufbieten. Ich glaube, dass ein kleines, aber immer volles Stadion seinen Reiz hat. Gerade für das Zuschauerinteresse in der Liga bringt die Austria Qualität mit.

derStandard.at: Nicht mehr als 1566? Das Potenzial wäre wohl da.

Windischbauer: Ja, aber das sind die baulichen Gegebenheiten, an die wir uns halten müssen. Die Parkplatz- und Anrainersituation ist nicht optimal und der Beschluss im Gemeinderat ist daran gekoppelt, dass wir die Kapazität nicht erhöhen. Es geht um eine Komfortverbesserung, damit die Leute nicht mehr im Gatsch stehen. Deshalb dürfen aber nicht mehr rein.

derStandard.at: Eine gemeinsame Nutzung mit einem anderen Verein wäre nie in Frage gekommen?

Windischbauer: Anfänglich schon. Wir haben im Vorstand beschlossen, die ideologische Brille abzusetzen und haben uns umgesehen. Gegen das EM-Stadion in Wals-Siezenheim sprach einerseits die Bundesliga-Auflage, dass in einem Stadion nur zwei Teams regelmäßig ihre Heimspiele austragen dürfen. Mit Red Bull und Liefering ist das Stadion schon belegt. Darüber hinaus wäre es finanziell nicht tragbar gewesen: Jedes Spiel dort hätte uns zwischen 30.000 Euro und 40.000 Euro gekostet. Für einen Verein in der zweiten Liga, der keinen Milliardär dahinter hat, ist das nicht möglich.

derStandard.at: Grödig ist auch nicht weit weg.

Windischbauer: Auch Grödig war ein natürlich Thema, aber hier wurde uns seitens des Vereins und der Gemeinde signalisiert, dass die Anrainer ein zu großes Problem sind. Es gibt schon bei den Spielen des SV Grödig immer wieder Beschwerden und bei den Zuschauerzahlen der Austria wäre das noch schlimmer geworden.

derStandard.at: Mit Vöcklabruck hat man eine Ausweichmöglichkeit gefunden.

Windischbauer: Ja und wir sind auch froh darüber. Trotzdem sehen wir uns als Salzburger Stadt Verein und möchten unsere Heimspiele, sofern es nur irgendwie möglich ist, auch im Stadion in Maxglan austragen.

derStandard.at: Das Stadion in Maxglan trägt den klingenden Namen "MyPhone Austria Stadion". Bei der Austria setzt man ja seit je her auf den Joker Tradition. Ist das hier kein Widerspruch?

Windischbauer: Da habe ich keine ideologischen Probleme und auch unsere Fans nicht. Das Stadion selbst wurde ja nicht für die Austria gebaut. Es war zunächst die Heimstätte des ASK Salzburg. Der Stadionname ist nicht in der gleichen Kategorie wie die Vereinsfarben oder der Name "Austria Salzburg" - beide sind für uns unantastbar und unveränderbar. Natürlich haben wir bei den Verhandlungen mit dem Sponsor den finanziellen Aspekt berücksichtigt und das wurde von unserer Anhängerschaft auch so begrüßt.

derStandard.at: Was kann in der nahen Zukunft schiefgehen?

Windischbauer: Dass wir nicht aufsteigen, der Gemeinderat sich gegen die Unterstützung ausspricht oder wir uns mittelfristig nicht in der Ersten Liga halten können.

derStandard.at: Wann spielt die Austria Salzburg wieder in der Bundesliga?

Windischbauer: Ich bin jetzt 56 Jahre alt und würde natürlich gerne als Pensionist mit meinen Enkeln die Austria in die Bundesliga spielen sehen. (Andreas Hagenauer, derStandard.at, 16.09.2014)

  • Windischbauer: " Klein, aber fein bleiben."
    foto: wildbild, lukas prudky

    Windischbauer: " Klein, aber fein bleiben."

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