Stadtgärtner auf neuem Terrain

19. September 2014, 14:25
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Den Unternehmern des Start-ups Energaia etwa ist es gelungen, kommerzielle Mengen an Spirulina zu produzieren, einem ökologischen Supernahrungsmittel

"Urban Farming", die Bewegung der Landwirtschaft in der Stadt, ist heute sehr viel mehr als ein Hobby von Gärtnern, die einst Kräuter und Salat in Töpfen auf ihren Balkons angepflanzt haben. Den Unternehmern des Start-ups Energaia etwa ist es gelungen, kommerzielle Mengen an Spirulina zu produzieren, einem ökologischen Supernahrungsmittel – und zwar auf den sonnigen Flachdächern von Hochhäusern in Bangkok, die sie als Farm nutzten.

Energaia, gegründet von dem Ingenieur Saumil Shah, verwendet ein innovatives System miteinander verbundener Plastikbehälter, die jeder 250 bis 280 Liter Flüssigkeit aufnehmen können, und ein System von Pumpen, die sicherstellen, dass die Spirulina-Mischung umgerührt wird und die photosynthetischen Algen genügend Sonnenlicht und Nährstoffe bekommen.

Wenn die Flüssigkeit eine bestimmte Dichte erreicht, wird Spirulina geerntet, gewaschen und mit einem langsam arbeitenden Zentrifugensystem extrahiert. Die daraus resultierende Paste hat eine einheitliche Konsistenz, besteht zu ca. 70 Prozent aus Wasser und kann einen Monat lang im Kühlschrank aufbewahrt werden. Dem Firmengründer zufolge ist Spirulina ein idealer gesunder Zusatz für Smoothies; man kann es beim Kochen als Proteinzusatz verwenden oder auch einfach so essen.

Blaugrüne Alge

Spirulina (der Name kommt von der Spiralenform der Zellen) ist eine einzellige blaugrüne Alge, die nur in wenigen warmen, basischen Gewässern dieser Erde wächst, etwa dem Tschad-See in Afrika. Unter den richtigen Bedingungen wächst sie sehr schnell, sie verdoppelt ihr Gewicht innerhalb weniger Tage und wird zu Recht als ein Superfood betrachtet.

Spirulina hat einen ausnehmend hohen Proteingehalt – 59 bis 65 Prozent ihres Trockengewichts kann von Menschen leicht verdaut werden, und sie enthält alle wichtigen Aminosäuren, die nicht vom Körper synthetisiert werden können (Sojabohnen haben nur 40 Prozent Protein im Trockenzustand, Rindfleisch nur 23 Prozent). Sie ist reich an Mineralien und Vitaminen; ein Gramm etwa deckt den Tagesbedarf an Vitamin A, und sie hat mehr Eisen als Rindfleisch, mehr Kalium als Bananen und mehr Kalzium als Milch. Außerdem ist sie reich an Antioxidantien, natürlichen Pigmenten und essentiellen Fettsäuren, und sie ist die einzige pflanzliche Quelle von Glykogen. Als wäre das nicht schon genug, hat Spirulina auch noch wenig Kalorien und Cholesterinfett.

Obwohl sie Menschen seit Jahrtausenden als Nahrungsmittel dient, ist Spirulina erst vor relativ kurzer Zeit im Westen populär geworden, vor allem als Nahrungszusatzmittel in Trockenpulver- oder Tablettenform. Das Team von Energaia will das Produkt attraktiver machen, indem es die reine, fast geruchsfreie Paste in Mehrweggläsern unter der Marke "Skyline" verkauft – ein Hinweis auf die Kultivierung auf Dächern.

Das Unternehmen verkauft auch getrocknete Spirulina-Paste im Verbund mit einem ortsansässigen Pasta-Erzeuger. Dessen Produkte enthalten zwölf bis 15 Prozent der Algenpaste. Nach weiteren Kombinationsmöglichkeiten mit Speisen und Getränken wird derzeit Ausschau gehalten. Zum Beispiel wird ein gesunder, gefriergetrockneter Energiedrink in Portionsbeuteln entwickelt, leicht verdauliche Nahrungsergänzung für ältere Menschen und ein Zusatz für Babynahrung.

Exporte

Laut Saumil exportiert Energaia die Skyline-Produkte bereits nach Großbritannien und stößt in anderen westlichen Märkten auf Interesse, in denen Spirulina aus klimatischen Gründen nicht gewonnen werden kann. Auch in Thailand soll es in ausgewählten Supermärkten angeboten werden.

Den Managern zufolge hat das Unternehmen noch lange nicht ausgelotet, was alles mit dieser Wundernahrung getan werden kann. Patsakorn Thaveeuchukorn, der Production & Sourcing Direktor von Energaia, sagt, dass die Firma Partnerschaften mit Brauereien, Mühlen oder anderen industriellen Produzenten gründen will, die das bei ihrer Arbeit erzeugte Kohlendioxid als Input für die Kultivierung von Spirulina verwenden können; Treibhausgasemissionen können so auf produktive und wirtschaftliche Art vermindert werden.

Das Unternehmen plant mittlerweile, ihren Output dank weiterer "Farmen" auf den Dächern von Bangkok und auf anderen nicht anbaufähigen Flächen zu vergrößern. "Wir bauen gerade rund 500 Bioreaktoren in grünen Industriezonen am Rand von Bangkok", sagt Patsakorn. "Schließlich sollen 5.000 vor allem für den Export produzieren." Das Unternehmen etabliert sich auch in Chiang Mai im Norden des Landes, in der Nähe einer Gefriertrocken-Anlage, um dort getrocknete Spirulina für verschiedenste Zwecke zu erzeugen. (Lawrence Neal, The Nation, Thailand)

Übersetzung: Michael Freund

  • Unter den richtigen Bedingungen wächst Spirulina sehr schnell und wird zu Recht als ein Superfood betrachtet. Hier Linguini aus Spirulina.
    foto: the nation

    Unter den richtigen Bedingungen wächst Spirulina sehr schnell und wird zu Recht als ein Superfood betrachtet. Hier Linguini aus Spirulina.

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