Wenn Piloten zum Opfer von Laserpointer-Attacken werden

16. September 2014, 15:48
64 Postings

Handelsübliche Geräte können Flugzeuge selbst in 15 Kilometer Höhe erreichen - bleibende Schäden am Auge des Getroffenen schwierig festzustellen

Stuttgart - Auf Fußballplätzen ist die modische Unsitte, den Torwart mit dem Laserpointer zu blenden, übel genug. Noch schlimmer ist es allerdings, wenn Piloten zum Ziel solcher Attacken werden. Und das sind keineswegs Einzelfälle: Allein in den USA kam es im vergangenen Jahr zu fast 4.000 Blendattacken auf Flugzeugpiloten. In Europa haben sich seit 2004 nach Expertenschätzungen mindestens 3.000 solcher Vorfälle ereignet, berichtet die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft.

Welche Schäden durch Laserlicht am und im Auge entstehen können, erläutern Experten der Gesellschaft im Vorfeld eines Kongresses im September. Zu unterscheiden ist dabei zwischen den hauptsächlich verwendeten Pointern im grünen Wellenlängenbereich, deren Leistung sich unter der Fünf-Milliwatt-Grenze bewegt, und hochenergetischen Lasern, die als Kriegswaffen eingesetzt werden.

Blendung selbst über weite Entfernungen

"Handelsübliche Laserpointer mit einer Stärke von bis zu fünf Milliwatt können Airbusse prinzipiell auch in 15.000 Metern Höhe erreichen", berichtet Frank Jakobs, Augenarzt am Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck. "Die meisten Attacken finden aber während der Start- und Landemanöver statt oder bei Helikoptern, die sich nicht so schnell bewegen", sagt Jakobs, der die NATO zum Thema Blendattacken berät.

    Ob durch die Angriffe organische Schäden im Auge entstehen, hängt vor allem von der Stärke des Lasers ab. "Grundsätzlich können Laserschäden, wie sie etwa bei Unfällen mit experimentellen Lasern entstehen, über eine Untersuchung des Augenhintergrundes oder mit weiteren Spezialuntersuchungen nachgewiesen werden", sagt DOG-Johann Roider.

    "Hochenergetische, nicht sichtbare Laser können Blutungen am Augenhintergrund erzeugen, wodurch der Pilot blind und damit steuerungsunfähig wird", erklärt Roider. Laser mit Lichtbündeln von über einem Meter Durchmesser sind bereits vor der Küste Somalias zum Einsatz gekommen, um Piraten vorübergehend zu blenden und damit kampfunfähig zu machen. Laserwaffen, deren primäres Ziel es ist, dauerhafte Blindheit zu verursachen, sind nach der Genfer Konvention seit 1995 verboten.

    Piloten fordern klares Strafmaß

    Bei Blendattacken mit handelsüblichen Laserpointern sind Aussagen zu den Folgen schon schwieriger zu treffen. "Hier können meist keine organischen Schäden nachgewiesen werden - weder mit der optischen Kohärenztomographie noch mit weiteren Spezialuntersuchungen." "Nach bisherigen Erfahrungen bleibt es bei der reinen Blendung", bestätigt auch Fliegerarzt Jakobs. Der Nachweis eines Laserschadens sei nur durch wiederholte Untersuchungen innerhalb der ersten Tage zu führen, so Roider.

    Die Blendung selbst ist aber riskant genug: "Die Piloten können vorübergehend ihr Sehvermögen einbüßen oder Nachbilder sehen", so Roider. "Piloten beschreiben die Angriffe als extrem unangenehm, zumal sie in kritischen Flugphasen wie Start oder Landung zu Fehlern mit verheerenden Folgen führen können", ergänzt Jakobs. Bisher habe es zwar noch keinen Flugunfall gegeben, der die Folge einer Blendattacke gewesen wäre. "Wohl aber abgebrochene Landeanflüge, was gefährlich genug ist", berichtet der Fliegerarzt.

    Die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit fordert daher ein klares Strafmaß für Laserattacken, die derzeit als "gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr" mit Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren belangt werden können. (red, derStandard.at, 16. 9. 2014)

    • Selbst wenn der Laserpointer keine bleibenden Schäden am Auge verursacht, kann sein "Einsatz" verheerende Folgen haben.
      foto: reuters/soo hoo zheyang

      Selbst wenn der Laserpointer keine bleibenden Schäden am Auge verursacht, kann sein "Einsatz" verheerende Folgen haben.

    Share if you care.