Alibaba und die 25 Milliarden

16. September 2014, 16:46
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Chinas Vorzeigeunternehmer Jack Ma könnte alle Börsengänge bisher in den Schatten stellen und 25 Milliarden Dollar einsammeln

New York/Peking - China ist schon längst zum Inbegriff eines Global Player geworden. Jetzt dürfte Alibabas Aktiendebüt sogar den Börsengang von Facebook im Mai 2012 in den Schatten stellen. Der chinesische Internetriese hat das obere Ende der Preisspanne für seine Aktien wegen der überwältigenden Nachfrage der Anleger von 66 auf 68 Dollar angehoben. Damit könnte das Maximalvolumen des Börsengangs auf 25 Milliarden Dollar (19,3 Milliarden Euro) steigen. Noch nie hat ein Unternehmen bei seinem Aktiendebüt mehr Geld von Investoren einsammeln können. Zum Vergleich: Facebook schaffte ein Volumen von 16 Milliarden Dollar.

Mitnaschen an Megatrends

Was die Hoffnungen der Anleger befeuert, ist die Aussicht, an gleich zwei potenziellen Megatrends dieses Jahrzehnts mitnaschen zu können: dem Aufstieg der kaufkräftigen chinesischen Mittelschicht und dem Siegeszug des Online-Handels. Denn wenn die Chinesen Güter des täglichen Bedarfs oder Markenwaren über das Internet bestellen, nutzen sie meist Alibabas Auktionshaus Taobao oder dessen Online-Kaufhaus Tmall.

In China, das als größter Onlinemarkt weltweit gilt, hat Alibaba eine Vormachtstellung, Der 50-jährige Gründer Jack Ma gilt in seiner Heimat als Star. Auf den großen Plattformen des Konzerns wurden im vergangenen Jahr Geschäfte über 248 Milliarden US-Dollar abgewickelt. Das Unternehmen mit rund 300 Millionen Kunden und 25.000 Beschäftigten versammelt damit rund 80 Prozent aller privaten Internet-Einkäufe in der Volksrepublik auf seinen virtuellen Shopping-Malls. "Eine Position, die man kaum verspielen kann", sagt Lars Riegel vom Unternehmesberater Arthur D. Little. Über Alibaba-Portale werden damit weitaus mehr Waren verkauft als bei Amazon und Ebay zusammen. Riegel hält nicht nur die Profitabilität des Unternehmens für anziehend (Alibaba betreibt keine Lager, wie dies etwa Amazon macht, Anm.) sondern alleine schon das Kerngeschäft in China aufgrund weiter wachsender Internet-Nutzerzahlen "für sehr vielversprechend". Die im Jahr 2003 gegründete Seite Taobao gehört etwa zu den meistbesuchten Internet-Adressen der Welt. Jeder, der will, kann dort einen Shop eröffnen. Bei Tmall verkaufen etablierte Marken und bei der Urseite Alibaba.com finden Firmen zueinander.

Rasante Expansion

Am Donnerstag gibt Alibaba voraussichtlich den Ausgabepreis für seine Aktien bekannt. Für Freitag ist dann das Debüt an der New Yorker Börse vorgesehen. Mit dem IPO-Erlös will Alibaba unter anderem seine Expansion vorantreiben. "Nachdem wir in den USA gelistet sind, werden wir unser Geschäft in Europa und den USA entwickeln", erklärte Gründer Jack Ma. Gelingen soll das etwa durch den Zukauf von Start-ups, womit man spezfische Nutzergruppen anziehen könnte.

Ausgemachte Sache ist der Erfolg aber nicht für alle Experten. Denn Alibaba ist längst mehr als nur Online-Shopping. Das Unternehmen betreibt den größten Geldmarktfonds Chinas, ist an einem Kurzmitteilungsdienst, einem Postdienstleister, einem Online-Kartendienst, einer Youtube-artigen Videoplattform, aber auch an einem Fußballklub beteiligt. Ob diese Expansion langfristig gut ist, daran bestehen auch Zweifel. "Wir wissen, dass Investoren es normalerweise nicht mögen, wenn eine Firma in fremde Geschäftsbereiche investiert. Das gilt als strategisch ungünstig", sagt Henrik Cronqvist von der Chinesisch-Europäischen Wirtschaftshochschule in Schanghai dem deutschen ARD.

Auch das rasante Expansionstempo könnte die Frage aufwerfen, ob Alibaba den Überblick zu verlieren droht. Und dann ist so manch einem auch die Konzernstruktur ein Dorn im Auge: mit Beteiligungsverzweigungen und diskreten Eigentumsverhältnissen, die für Außenstehende nur schwer zu durchblicken ist. Ob die Aussicht auf gute Gewinne für die Investoren schwerer wiegen, bleibt abzuwarten. (rebu, derStandard.at. 16.9.2014)

  • Vor dem Alibaba-Hauptquartier in Hangzhou: In China hat Alibaba sowohl als virtuelle Shopping-Meile, als auch als Arbeitgeber einen guten Ruf.
    foto: ap

    Vor dem Alibaba-Hauptquartier in Hangzhou: In China hat Alibaba sowohl als virtuelle Shopping-Meile, als auch als Arbeitgeber einen guten Ruf.

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    grafik: apa
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